Wie begreift man Krankheit und Tod?

GA 55/1906-12-13/p005 ·1906-12-13 · original (original)
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Es wird uns vielleicht noch nützlich sein, wenn wir auch darauf hinweisen, daß unsere Gegenwart nicht einmal mehr den Wortlaut des Satzes: «Denn der Tod ist der Sünde Sold» versteht. Denn unter «Sünde» verstanden Paulus und die, welche zu seiner Zeit lebten, ganz und gar nicht das, was man heute im philiströsen Sinne darunter versteht. Nicht eine Verfehlung im gewöhnlichen Sinne ist hier mit Sünde gemeint, auch nicht eine Verfehlung radikaler Art, sondern unter Sünde wird da verstanden, was aus Selbstsucht und Egoismus hervorgeht. Alles, was Selbstsucht und Egoismus zum Antriebe des Handelns hat — im Gegensatz zu dem, was sachlichen, objektiven Impulsen entspringt —, ist Sünde. Der Egoismus, das selbstische Handeln, aber setzt voraus, daß der Mensch selbständig, ich-bewußt geworden ist. Das muß man erkennen, wenn man sich ganz und gar auf die Denkweise eines solchen Geistes wie Paulus einläßt.

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