Wie begreift man Krankheit und Tod?
Der eine ist Schopenhauer. Sie kennen ja alle seine pessimistische Art zu denken, und wer einmal den Satz durchgegangen ist: «Das Leben ist eine mißliche Sache, und ich habe mir vorgenommen, das meinige damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken» — der wird begreifen, daß Schopenhauer kaum zu einer anderen Lösung gekommen ist als zu der: Eigentlich tröstet der Tod über das Leben und das Leben über den Tod; das Leben ist eine fatale Sache, und man könnte es nicht ertragen, wenn man nicht wüßte, daß der Tod es schließen würde; und wenn man die Furcht vor dem Tode hat, dann braucht man sich nur einmal klarzumachen, daß das Leben nicht besser sei und daß durch den Tod nichts weiter beschlossen ist. Das ist seine pessimistische Art zu denken, die nur einmal darüber hinausführt, wo er den Erdgeist sagen läßt: Ihr wollt, daß immer neues Leben entsteht, da muß ich Platz haben. Also sieht Schopenhauer in einer gewissen Beziehung in der Tatsache, daß das Leben sich fortpflanzt, immer neues Leben gebiert, die Notwendigkeit, daß das Alte sterben müsse, damit für das Neue Raum sei. Sonst weiß auch Schopenhauer gar nichts Erhebliches vorzubringen; denn alles, was er sonst sagt, atmet in diesen zwei Worten.