Wie begreift man Krankheit und Tod?

GA 55/1906-12-13/p013 ·1906-12-13 · original (original)
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Wenn wir den Menschen als physischen Organismus vor uns haben, dann müssen wir uns klarmachen, daß innerhalb dieses physischen Organismus die drei anderen Glieder als Bildner und Architekten arbeiten. Das physische Prinzip arbeitet nur teilweise am physischen Organismus des Menschen, in einem anderen Teil ist im wesentlichen der Ätherleib tätig, wieder in einem anderen der Astralleib, und wiederum in einem anderen Teil des Menschen ist das Ich tätig. Der Mensch besteht für die Geisteswissenschaft physisch erst einmal aus Knochen, Muskeln, denjenigen Organen, die den Menschen stützen, ihn zu einem festen, auf der Erde gehenden Gebilde machen; diese allein rechnet man im strengsten Sinn der Geisteswissenschaft zu dem durch das physische Prinzip zustande gekommenen Teil der Organe. Dazu kommen noch die eigentlichen Sinnesorgane; dabei haben wir es mit physikalischen Apparaten zu tun; beim Auge mit einer Art camera obscura, beim Ohr mit einem sehr komplizierten Musikinstrument. Es kommt nun darauf an, woraus diese Organe gebaut sind. Sie sind von dem ersten Prinzip gebaut. Dagegen sind alle Organe, die mit Wachstum, Fortpflanzung, Verdauung und anderem zusammenhängen, nicht bloß im Sinne des physischen Prinzips gebaut, sondern im Sinne des Äther- oder Lebensleibes, der ja auch die physischen Organe durchdringt. Nur der gesetzmäßige Aufbau wird vom physischen Prinzip besorgt, der Vorgang von Verdauung, Fortpflanzung und Wachstum dagegen wird vom Ätherprinzip besorgt. Der Astralleib ist der Schöpfer des ganzen Nervensystems, bis hinauf zum Gehirn und zu den Strängen, die in Form von Sinnesnervensträngen zum Gehirn gehen. Das Ich endlich ist der Architekt des Blutkreislaufes. Wenn wir also in echt geisteswissenschaftlichem Sinne einen menschlichen Organismus vor uns haben, so sind wir uns klar, daß diese vier Glieder — auch im äußerlich wahrnehmbaren Organismus — eigentlich wie vier ganz voneinander verschiedene Wesenheiten im Menschen verschmelzen und miteinander wirksam gemacht worden sind. Diese Glieder, die den menschlichen Organismus zusammensetzen, sind von ganz verschiedenem Werte, und wir werden ihre Bedeutung für den Menschen begreifen, wenn wir erforschen, wie die Entwicklung des Menschen mit diesen einzelnen Gliedern zusammenhängt.

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Cite: GA 55/1906-12-13/p013 · edition original