Wie begreift man Krankheit und Tod?

GA 55/1906-12-13/p017 ·1906-12-13 · original (original)
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Der europäische Kulturmensch folgt nicht bloß seinen Trieben und Begierden; er hat sie geläutert und umgewandelt in moralische Empfindungen und ethische Ideale. Vergleichen wir nun einen Wilden mit einem europäischen Durchschnittsmenschen oder gar mit einem Schiller oder Franz von Assisi, so können wir sagen, daß diese ihre Triebe vom Ich aus umgestaltet, geläutert haben. So können wir uns sagen, daß dieser Astralleib stets zwei Teile enthält: einen, der aus der ursprünglichen Anlage herrührt, und einen, den das Ich selbst geboren hat. Nun verstehen wir die Arbeit des Ich nur dann, wenn wir uns klarmachen, daß der Mensch einer Wiederverkörperung — wiederholten Erdenleben — unterliegt; daß der Mensch, wenn er geboren wird, gleichsam in vier voneinander geteilten Leibern sich die Früchte und Ergebnisse früherer Erdenleben mitbringt, die als ein Maß für die Energie und Kraft seines Lebens da sind. Der eine Mensch wird geboren, weil er es früher dazu gebracht hat, mit viel Lebensenergie, mit starken Kräften seinen Astralleib umzugestalten. Der andere wird darin bald erlahmen. Wenn man hellsehend untersuchen kann, wie das Ich beginnt, an dem Astralleibe frei zu arbeiten, die Begierden, Triebe und Leidenschaften vom Ich aus zu beherrschen, dann könnte man, wenn man das Maß von Energie, das das Ich sich mitgebracht hat, anzugeben vermag, sagen: dieses Maß ist so groß, daß das Ich so und so lange an seiner Umgestaltung an sich arbeiten wird und nicht mehr. Und nach der Zeit der Geschlechtsreife gibt es für jeden Menschen ein solches Maß, durch das man messen kann und angeben könnte, bis wann er alles aus seinem Astralkörper herausgearbeitet hat nach den ihm in diesem Leben zugeteilten Pfunden. Was der Mensch so in seinem Gemüt an Lebenskräften umzugestalten und zu läutern vermag, erhält sich selbst. Solange dieses Maß ausreicht, lebt er auf Kosten des sich selbst erhaltenden Astralleibes. Ist er erschöpft, findet er keinen Mut mehr, neue Triebe umzugestalten, kurz, keine Energie, an sich zu arbeiten, dann reißt der Lebensfaden ab, — und er muß nach einem Maße, das jedem Menschen zuerteilt ist, einmal abreißen. Dann ist die Zeit gekommen, wo der Astralleib seine Kräfte von dem Prinzip des menschlichen Lebens nehmen muß, das ihm zunächst liegt, vom Ätherleib. Und jetzt kommt die Zeit, wo der Astralleib auf Kosten der im AÄtherleib aufgespeicherten Kraft lebt; der Ausdruck dafür ist für den Menschen da, wenn sein Gedächtnis, seine produktive Einbildungskraft allmählich schwindet.

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Cite: GA 55/1906-12-13/p017 · edition original