Wie begreift man Krankheit und Tod?
Um ihr Wesen zu verstehen, müssen wir den Menschen im Zusammenhang mit der Natur betrachten. Machen wir uns klar, was denn geschieht, wenn der Mensch als lebendiges Wesen der übrigen Natur gegenübersteht. Mit jedem Luftzug, mit jedem Ton, mit der Nahrung, mit dem Licht, die er in sich aufnimmt, tritt der Mensch in ein Wechselverhältnis mit der ihn umgebenden Natur. Wenn Sie die Sache genau betrachten, so werden Sie auch ohne Okkultismus darauf kommen, daß die Dinge draußen die eigentlichen Bildner und Öffner der physischen Organe sind. Wenn gewisse Tiere in finstere Höhlen einwandern, dann werden ihre Augen mit der Zeit rückgebildet. Wo kein Licht mehr ist, können nicht mehr lichtempfängliche Augen sein; umgekehrt, nur wo Licht ist, können lichtempfindliche Augen sich bilden. Deshalb sagt Goethe, das Auge wird vom Licht für das Licht gebildet. Natürlich wird im Sinne dessen, was die eigentlichen inneren Architekten genannt werden, der physische Leib aufgebaut. Der Mensch ist ein physisches Wesen, und die äußeren Dinge sind dasjenige, woraus im Einklang mit den inneren Bildnern der ganze Mensch aufgebaut wird. Dann wird das Verhältnis einzelner Kräfte und Stoffe zum Menschen ein ganz anderes Bild ergeben. Diejenigen, die hier den tiefen Blick des wahren Mystikers gehabt haben, werden uns hier besonders viel sagen können. Für Paracelsus ist die ganze äußere Welt ein fächerartig auseinandergelegter menschlicher Organismus, und der Mensch ist wie ein Extrakt der ganzen äußeren Welt. Wenn wir eine Pflanze sehen, können wir im Sinne des Paracelsus sagen: In dieser Pflanze ist ein gesetzmäßiger Zusammenhang, und es gibt etwas im Menschen, was im gesunden oder kranken Organismus dieser Pflanze entspricht. Daher nennt Paracelsus zum Beispiel einen Cholerakranken einen «Arsenikus», und das Arsenik ist ihm ein Heilmittel für Cholera. So besteht eine Beziehung zwischen jedem Organ des Menschen und dem, was in der Natur um ihn herum ist. Man bräuchte nur eine Essenz der Natur zu nehmen und sie menschenähnlich formen, dann hätte man den Menschen. In der ganzen Natur sind die einzelnen Buchstaben ausgebreitet, nimmt man sie zusammen, dann hat man den Menschen. Da bekommen Sie eine Ahnung, wie die ganze übrige Natur auf den Menschen wirkt, und daß der Mensch berufen ist, aus der ganzen übrigen Natur seine Wesenheit zusammenzusetzen. Alles, was in uns ist, ist im Grunde genommen in uns hineingezogen aus der äußeren Natur, aufgenommen worden in den Lebensprozeß. Wenn wir dieses Geheimnis von der Verlebendigung äußerer Kräfte und Stoffe verstehen, dann werden wir das Wesen einer Krankheit begreifen können.