Der Irrsinn vom Standpunkte der Geisteswissenschaft

GA 55/1907-01-31/p005 ·1907-01-31 · original (original)
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Nun müssen wir, um unsere Frage beantworten zu können, uns an die Wiederverkörperung erinnern. Beim Schlafen geht etwas ganz Ähnliches mit uns vor wie beim Tode. Im Schlafe trennen sich der Astralleib und das Ich vom physischen Körper. Alle Triebe und Empfindungen sinken damit hinab in ein unbewußtes Dunkel. Im Bette bleiben nur der physische Leib und der Ätherleib zurück. Beim Tode trennt sich auch der Äther- oder Lebensleib vom physischen Körper los. In den nächsten Stunden, während des Menschen Wesenheit im Ätherleibe ruht, zieht das ganze bisherige Leben in großen Bildern an seiner Seele vorüber, so lange, bis auch der Ätherleib sich von ihm ablöst und im allgemeinen Weltenäther aufgeht. Aber nur das Stoffliche des Ätherleibes löst sich auf. Das Erinnerungsbild bleibt, wie eine Essenz, durch alle folgenden Zeiten mit dem Astralleibe und dem Ich verbunden. Zunächst geht es mit in den Kamaloka-Zustand über. Kamaloka, Ort der Begierden, nennen wir den Zustand, in dem alles das aus dem Astralleib ausgeschieden wird, was noch am Erdenleben hängt. Alles, was noch nicht veredelt war, löst sich auf, das andere wird in alle Zukunft mitgenommen. In ganz geringem Maße gehen auch Teile des physischen Leibes mit, aber nur bei sehr veredelten Menschen. Bei der neuen Verkörperung nimmt der Mensch die unveredelten Teile wieder an sich, um weiter an ihrer Läuterung zu arbeiten. Je öfter der Mensch auf Erden erscheint, desto fester wird sein Charakter, ein desto feineres Gewissen bekommt er, desto größer und zahlreicher sind seine Talente und Kräfte. Den hermetischen Grundsatz brauchen wir vor allem bei der Erklärung der Geisteskrankheiten: Es ist oben alles wie unten und unten alles wie oben. Im lächelnden Antlitz drückt sich uns Ohne weiteres die Heiterkeit des Menschen aus. Die Tränenperle kündet innere Trauer der Seele an. Heiterkeit und Trauer werden wir in diesem Falle das Obere nennen, Lächeln und Tränen, die das materielle Bild von Heiterkeit und Trauer darstellen, das Untere. Ein richtig geschulter Mensch sieht die ganze Welt anders an. Eine Blume ist ihm der Ausdruck der Trauer oder der Heiterkeit des Erdgeistes. Und das ist ihm so wenig ein bloß poetischer Gedanke, wie die Seele nur ein poetischer Gedanke ist. Der Erde liegt der Erdengeist als Oberes zugrunde. Alles Materielle ist verdichteter Geist, geradeso wie das Eis nur verdichtetes Wasser ist. Wie man das Eis schmelzen kann, so daß es Wasser wird, so kann man auch die Materie wandeln, so daß sie Geist wird. Wir unterscheiden folgende physische Teile am Menschen, die seinen oberen Gliedern entsprechen: erstens rein Physisches, was nach rein physischen Gesetzen gebaut ist, vor allem die Sinnesorgane, zweitens alles das, was mit Verdauung, Wachstum, Fortpflanzung zusammenhängt. Das, was die Kristalle aufbaut, könnte auch den menschlichen Leib aufbauen, aber er wäre dann ein toter Organismus. Der Ätherleib ist der Bildner, der die Verdauungsorgane und so weiter aufbaut. Drittens Nervensystem (Gehirn und Rückenmark): sein Bildner ist der Astralleib, viertens das Blut. In ihm wohnt das Ich, das zugleich der Architekt des Blutsystems ist.

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