Der Lebenslauf des Menschen vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte
Erinnern wir uns, was geschieht, wenn der Mensch stirbt: er hinterläßt den physischen Leichnam. Der wesentliche Unterschied zwischen Tod und Schlaf ist der, daß der Mensch im Schlafe im Bette liegen hat den physischen und den Ätherleib, und daß nur herausgeholt ist der Astralleib und das, was wir das Ich nennen. Ebenso wie die Ziegelsteine nicht von selbst zum Palast zusammenlaufen, so brauchen die physischen Kräfte den Ätherleib als inneren Architekten. Er ist mit dem Menschen verbunden und erhält von der Geburt bis zum Tode den Zusammenhang der physischen Stoffe und Kräfte; er rettet jeden Augenblick die chemische Mischung vor dem Verfall. Im Tode hebt er sich jetzt wirklich heraus, und daher bleibt der physische Teil als der verfallende Leichnam zurück. Im Schlafe also geht nur der Astralleib, als der Träger von Lust und Leid, Begierden und Affekten, und dazu das Ich aus dem physischen Leib heraus; im Tode trennt sich nun noch der Ätherleib heraus und ist eine Weile mit dem Astralleib und dem Ich zusammen. Dies ist ein wichtiger Augenblick im Dasein des Menschen. In diesem Augenblick geht an der menschlichen Seele blitzschnell die Erinnerung an das ganze bisherige Erdenleben vorüber, von der Geburt bis zum Tode, wie ein großes Tableau. Dieses Tableau stellt sich wie ein Gemälde dar. Alles, was uns mit Lust und Leid verknüpft hat, das empfinden wir in diesem Augenblicke nicht. Wie wir bei einem Gemälde nicht den Dolchstich fühlen, so fühlen wir auch dabei nicht all den Schmerz und all das Leid, die Lust oder Freude, die da an uns vorübergleiten. Wie objektive Betrachter stehen wir da dem verflossenen Leben gegenüber.