Der Lebenslauf des Menschen vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte

GA 55/1907-02-28/p012 ·1907-02-28 · original (original)
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Im Laufe eines jeden Erdenlebens bringt der Mensch etwas Neues hinzu zu den drei Essenzen seiner Leiber. Ein Mensch, der als ein besonders begabter Mensch geboren wird, hat seine früheren Leben gut angewendet, hat in seinem verflossenen Leben viele Blätter wie zu einem Buche zusammengelegt, und darin stehen die Erfahrungen und Errungenschaften seiner früheren Erdenleben. Damit tritt der Mensch in ein neues Leben ein und erhält einen physischen Leib von seinen physischen Vorfahren. Dieser Wesenskern, der sich aus den früheren Erlebnissen die Früchte mitbringt, wird zu der Familie hingezogen, die ihm die physischen Merkmale geben kann, die ihn befähigen, seine individuellen Anlagen, die er sich früher erworben hat, zu gebrauchen. Nicht sind es die Vererbungsmerkmale, die des Menschen Handeln und Fähigkeiten ausmachen, die liefern nur die Werkzeuge; aber die Werkzeuge müssen da sein. Wie der Klaviervirtuose ein Instrument, so muß die Individualität, wenn sie von einem neuen physischen Leib umhüllt wird, in diesem die richtigen Werkzeuge finden, um sich in der physischen Welt in der richtigen Weise zum Ausdruck bringen zu können. Daher die Täuschung, als ob nur physische Vererbung vorliegt. Gewiß liegt sie vor, aber nur weil die Individualität sich zu den Eltern hingezogen fühlt, die ihr die geeigneten Werkzeuge geben können. Alles, von dem wir gesagt haben, daß es im Laufe der Zeit abgeworfen worden ist, muß sich in derselben Weise wieder um den Menschen herum kristallisieren; alles das erhält der Mensch wiederum neu, damit er im weiteren Leben von neuem zur Läuterung seiner Wesenheit beitragen kann.

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