Der Lebenslauf des Menschen vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte

GA 55/1907-02-28/p019 ·1907-02-28 · original (original)
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Es ist ein wichtiger Moment, wo mit der Geschlechtsreife der Mensch dem Menschen entgegentritt. Wie alles Vergängliche ein Gleichnis ist, so ist auch das Gegenübertreten des Männlichen und Weiblichen ein Symbolum. So wie die Liebe zum Einzelnen nach und nach erwacht, so erwachen jetzt überhaupt erst die persönlichen Verhältnisse zur Umgebung; vorher sind es allgemein menschliche Verhältnisse. Eigenes Urteil und eigene Verhältnisse zur Umwelt treten erst jetzt auf. Da kommt im Astralen der Fond heraus, den der Mensch sich mitgebracht hat und der sich jetzt erst frei entwickeln kann. Alle hohen Ideale, alle schönen Lebenshoffnungen und Lebenserwartungen, die nichts anderes sind als das, was im Astralleib als astraler Fond mitgebracht wird, sind Kräfte, die da sein müssen. Der Mensch entwickelt sich recht, der seine Lehrzeit so durchmacht, daß er das, was in ihm veranlagt ist, nach und nach herausbringt, nicht das, was in der Welt ist, sondern was er sich mitbringt. Ideale sind nicht da, sondern wir haben sie, weil die Kraft in uns rege ist, die in dieser Zeit jenes Hinausstreben des Jünglings macht; und nichts ist schlimmer für das spätere Leben, als wenn diese Kräfte bis zum zwanzigsten Jahre nicht da waren, die Lebenshoffnung und Lebenssehnsucht sind, denn das sind reale Kräfte. Je mehr wir von dem heutigen Fond des Inneren herauszubringen imstande sind, desto besser fördern wir den sich entwickelnden Menschen. Erst mit dem dreiundzwanzigsten Jahre ist das alles herausgebracht, und dann kann der Mensch seine Wanderjahre antreten. Da erst ist sein Ich geboren, da tritt er als eine freie Persönlichkeit frei der Welt gegenüber.

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