{"corpus":"steiner","locus":"GA 55/1907-03-14/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Die äußere Welt ist immer wieder hingewiesen worden auf das Rosenkreuzertum durch die beiden Schriften, die vom Anfange des siebzehnten Jahrhunderts stammen. Im Jahre 1614 erschien die sogenannte «Fama Fraternitatis» und ein Jahr später die sogenannte «Confessio» — zwei Bücher, über die von gelehrter Seite viel gestritten worden ist. Und zwar nicht nur darüber, worüber bei so vielen Büchern sonst gestritten wird, ob jener Valentin Andreae, der in seinen späteren Lebensjahren ein ganz normaler Superintendent war, auch wirklich das Buch verfaßt hat —, sondern bei diesen Büchern ist auch darüber gestritten worden, ob sie von den Verfassern ernst genommen worden sind, oder ob sie nur ein Spott darüber sein sollten, daß es eine gewisse geheimnisvolle Brüderschaft des Rosenkreuzes gäbe, welche diese und jene Tendenzen und Ziele habe. Dann gibt es im Gefolge dieser Schriften eine ganze Reihe anderer, die allerlei aus dem Bereiche des Rosenkreuzertums mitteilen. Wenn Sie die Schriften von Valentin Andreae und auch andere rosenkreuzerische Schriften in die Hand nehmen, dann werden Sie, wenn Sie die eigentliche Grundlage des Rosenkreuzertums nicht kennen, in diesen Schriften nichts besonderes finden. Denn es ist überhaupt bis in unsere Zeit hinein nicht möglich gewesen, auch nur das Elementarste aus dem Bereiche dieser Geistesströmung, die seit dem vierzehnten Jahrhundert wirklich existiert hat und auch heute noch existiert, kennenzulernen. Alles, was in die Literatur übergegangen ist, was geschrieben und gedruckt worden ist, sind einzelne Bruchstücke, einzelne verlorene, durch Verrat an die Offentlichkeit gekommene Dinge, die ungenau und in vielfacher Weise durch Charlatanerie, Schwindel, Unverstand und Dummheit verkehrt worden sind. Die wahre, echte Rosenkreuzerei ist, seitdem sie besteht, stets nur Gegenstand mündlicher Mitteilung an solche gewesen, welche sich eidlich zur Geheimhaltung verpflichten mußten. Daher ist auch nichts Erhebliches in die öffentliche Literatur übergegangen. Erst dann, wenn man dasjenige kennt, was heute — aus gewissen Gründen, die zu erläutern jetzt zu weit führen würde — in der elementaren Rosenkreuzerei öffentlich mitgeteilt werden kann und wovon wir heute werden sprechen können, kann man in den oftmals grotesken, oft bloß komischen, oft aber auch schwindelhaften und selten stimmenden Mitteilungen der Literatur einigen Sinn finden. Die Rosenkreuzerei ist eine der Methoden, wie man die sogenannte Einweihung erreichen kann. Was Einweihung heißt, davon ist des öfteren an dieser Stelle schon die Rede gewesen. Einweihen heißt, die in jeder Menschenseele schlummernden Fähigkeiten erwecken, durch die man hineinsehen kann in die geistigen Welten, die hinter unserer sinnlichen Welt liegen, und von denen unsere sinnliche Welt nur ein äußerer Ausdruck, eine Wirkung ist. Ein Eingeweihter ist derjenige, welcher die genau bestimmten, wissenschaftlich durchgearbeiteten Methoden der Einweihung angewendet hat, Methoden, die ebenso wissenschaftlich durchgearbeitet sind wie diejenigen der Chemie, der Physik oder anderer wissenschaftlicher Gebiete. Dasjenige, was in solchen Methoden durchgemacht wird, ist allerdings nicht etwas, was der Mensch auf etwas Außeres anzuwenden hat, sondern was sich zunächst nur auf ihn selbst bezieht, auf das Instrument, das Werkzeug, durch das man in die geistige Welt hineinsieht. Der wirkliche Geisteskenner weiß, wie tief und wahr Goethes Ausspruch ist:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Wer sind die Rosenkreuzer?","site_heading":null,"date":"1907-03-14","location":null,"word_count":493,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-03-14/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-03-14/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/55/1907-03-14/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}