Wer sind die Rosenkreuzer?

GA 55/1907-03-14/p026 ·1907-03-14 · original (original)
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Nun handelt es sich allerdings nicht um das, was man im gewöhnlichen Sinne Denken nennt. Das gewöhnliche Denken ist nur ein Kombinieren sinnlicher Wirklichkeiten. Hier handelt es sich aber um ein Denken, das sinnlichkeitsfrei geworden ist. Gelehrte und Philosophen leugnen heutzutage ein solches Denken überhaupt. Sie können bei vielen Philosophen, die heute einen großen Namen haben, nachlesen, daß der Mensch nicht in bloßen Gedanken denken könne, sondern immer nur in solchen Gedanken denken müsse, die einen Rest von sinnlichen Bildern enthalten. Wenn ein Philosoph das sagt, dann beweist das nichts weiter, als daß er nicht in reinen Gedanken denken kann, und es ist eine unbeschreibliche Unbescheidenheit, wenn man das, was man selber nicht kann, als eine allgemeine Unfähigkeit hinstellt. Der Mensch muß imstande sein, sich Gedanken zu bilden, die nicht mehr von Wahrnehmungen der Augen und Ohren abhängig sind, so daß er in einer reinen Gedankenwelt leben kann, in der Welt, die er in sich selber findet, wenn er die Aufmerksamkeit von den äußeren, sinnlichen Wirklichkeiten ablenkt. Dieses Denken nennt man in der Geisteswissenschaft und auch im Rosenkreuzertum das sich selbst erzeugende Denken. Derjenige, der nichts anderes tun will, um ein solches Studium zu absolvieren, mag die Lehrbücher der heutigen Geisteswissenschaft vornehmen. Das, was Sie da finden, sind nicht bloß sinnnliche Kombinationen, sondern Gedanken, die aus höheren Welten stammen, Gedanken, die ein geschlossenes Denken darstellen, das jeder verstehen kann, so daß er nicht bei der gewöhnlichen, trivialen Art des Denkens stehenzubleiben braucht.

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