Wer sind die Rosenkreuzer?
Sieh Dir an die Pflanze, wie sie herauswächst aus der Erde, Ihre Wurzel ist in den Boden hineingesenkt, sie ist nach dem Mittelpunkt der Erde hin gerichtet, der Stengel strebt nach oben, die Blüte nach oben öffnend, darinnen die befruchtenden Organe, die den Samen zeugen werden, wodurch die Pflanze über sich selbst hinauslebt. Nicht erst Darwin, der große Naturforscher, hat davon gesprochen, daß, wenn man die Pflanze mit dem Menschen vergleicht, nicht die Blüte, sondern die Wurzel mit dem Kopfe verglichen werden müsse. Die Wurzel der Pflanze entspricht dem Kopfe des Menschen — so sagte schon der Rosenkreuzer-Okkultismus —, und dasjenige, was von der Pflanze als Blütenkelch der Sonne keusch entgegenstrebt, das ist das, was der Mensch als Befruchtungsorgane nach unten wendet. Der Mensch ist eine umgekehrte Pflanze. Er wendet die Organe, welche die Pflanze keusch nach oben dem Lichte zuwendet, schamvoll nach unten und verhüllt sie. Der Mensch ist die umgekehrte Pflanze: das ist ein Grundsatz des Rosenkreuzer-Okkultismus und des Okkultismus aller Zeiten. Die Pflanze ist mit den Befruchtungsorganen keusch der Sonne zugewendet. Der Mensch hat die Befruchtungsorgane nach dem Mittelpunkte der Erde gerichtet, den Kopf frei nach dem Sonnenraum hinaus. Zwischen beiden, mitten drinnen, steht das Tier, Die drei Richtungen, die sich durch die Pflanze, das Tier und den Menschen ergeben, bezeichnet man als das Kreuz. Die Pflanze ist der Balken, der nach unten geht, das Tier ist der Querbalken, der Mensch ist der Balken nach oben. Wenn Plato, der große eingeweihte Philosoph des Altertums, sagt, daß die Weltseele an dem Kreuze des Weltenleibes gekreuzigt ist, so bedeutet das nichts anderes, als daß der Mensch die höchste Ausgestaltung der Weltenseele darstellt, und daß die Weltenseele hindurchgegangen ist durch die drei Reiche: Pflanzenreich, Tierreich und Menschenreich. Die Weltenseele ist an dem Kreuze: Pflanzenreich, Tierreich und Menschenreich, den drei Naturreichen, gekreuzigt. — Ein wunderbar tiefes Bild von Plato, ganz aus der Geisteswissenschaft herausgesprochen.