{"corpus":"steiner","locus":"GA 55/1907-04-26/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie wissen, daß dem Menschen, wenn er aus dem Bedürfnisse des christlich-gläubigen Herzens heraus an die vier Evangelien herangeht, zunächst eigentümliche Widersprüche begegnen können, welche sich aus den vier Evangelien, die man nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas, nach Johannes nennt, ergeben. Derjenige, der sich heute wenn auch noch so gläubig zu diesen Büchern verhält, hat doch keine richtige Vorstellung davon, in welchem Verhältnisse in alten, viel religiöseren Zeiten der Gläubige der Bibel gegenüberstand, was das Wort «Bibel», respektive der Ausdruck «das Wort Gottes» eigentlich für die alten Gläubigen bedeutete. Wir brauchen uns nur an das Wort« Inspiration» zu erinnern und daß durch Jahrhunderte hindurch die gläubigen Gemüter festgehalten haben daran, daß jene, welche die religiösen Urkunden niedergeschrieben haben, inspiriert waren, daß sie unter dem unmittelbaren Einflusse des göttlichen Geistes selbst geschrieben haben. Und so wahr sie den Glauben hatten, daß von diesem göttlichen Geiste nur die Wahrheit ausgehen konnte, so wahr erschien ihnen jedes Wort, das in der Bibel stand, als heilig. Die Bibel war ihnen der Ausdruck für die gewaltigen Welträtsel, die sich vor die Seele des Menschen hindrängten. Wie hätte ein Mensch, der sich vorstellte, daß die alten Gottesmänner Persönlichkeiten waren, die unmittelbar unter der Inspiration des göttlichen Geistes standen, glauben können, daß diese etwas geschrieben hätten, ja etwas hätten schreiben können, an das man Kritik anlegen muß. Dann hätte in den Herzen dieser Gläubigen nicht ein unmittelbares Hängen an jeglichem Wort sein dürfen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Bibel und Weisheit","site_heading":null,"date":"1907-04-26","location":null,"word_count":237,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/55/1907-04-26/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}