Bibel und Weisheit

GA 55/1907-04-26/p008 ·1907-04-26 · original (original)
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Vor einer unbefangenen geschichtlichen Betrachtung kann das nicht bestehen. Wir werden zu Persönlichkeiten geführt, die in den alten Zeiten des Christentums gelebt haben. Wir finden dann in ihren Mitteilungen, daß zum Beispiel im Jahre 160 n. Chr. eine sogenannte Evangelienharmonie gemacht wurde, das heißt eine Zusammenstellung der verschiedenen Evangelien, so daß sie ein einheitliches Bild geben sollten. Später ist dies noch öfters gemacht worden, und wir können finden, wenn wir die Evangelien vom zweiten Jahrhundert sorgfältig prüfen, daß auch dasjenige hineingearbeitet worden ist, was wir jetzt als Inhalt des Neuen Testamentes kennen. Wir können noch weiter zurückgehen, bis zu den ersten Kirchenvätern. Wenn wir gerade diese kritisch prüfen, so zeigt sich uns, wie sie mit ungeheurer Ehrfurcht von der Bibel sprechen, mit einer Ehrfurcht, die die Annahme zuläßt, daß sie geglaubt haben, die Bibel sei von höherer Geistigkeit inspiriert. Wir können bis zu Origines zurückgehen und bemerken dann, wie er in derselben Art und mit derselben Ehrfurcht von den biblischen Büchern spricht. Und wenn wir einzelne Worte nehmen, die sogar nur derjenige mitteilt, von dem nicht mit Unrecht gesagt wird, daß er noch ein Hörer des Apostels Johannes gewesen sei, Matthäus, dann finden wir, daß aus seiner Seele etwas herausspricht, was wir in demselben Sinne zusammenfügen können mit dem, was später die Stimmung der Gläubigen, auch der gelehrtesten Gläubigen, gegenüber den Evangelien war.

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