{"corpus":"steiner","locus":"GA 55/1907-04-26/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wer das weiß, der weiß auch, daß die Stimmung keine andere sein kann, als daß er sich sagt: ich sehe hinauf zu den göttlichen Idealen, zu denen ich den Keim in der Seele trage; ich weiß, daß in der Zukunft sich etwas herausentwickelt haben wird, was heute noch in mir schlummert, nur schwach veranlagt ist. Ich weiß aber auch, daß ich alle Kräfte anwenden muß, um zu diesen Höhen hinaufzukommen. Als ein Bettler im Geiste kommt sich dann der vor, welcher so die geistige Welt ansieht. Und der ist «beseligt», das heißt selig fühlt er sich dann. Und wir haben in der Bergpredigt im geisteswissenschaftlichen Sinne ein so wunderbares Wort das da heißt: «Selig sind die, die da Bettler sind im Geiste, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» — Keiner, der den Sprachgebrauch der alten Zeiten kennt, wird wähnen, daß diejenigen, welche vom Himmel sprechen, einen Himmel im unbekannten Jenseits meinten. Man stellte sich vor, daß überall da, wo man ist, auch der Himmel ist. Wo wir jetzt sind, da ist der Himmel, da ist die geistige Welt. Ebenso wie der Blinde, wenn er operiert wird, den Raum, den er vorher nur tasten konnte, mit Farben erfüllt sieht, so sieht der, dessen geistiger Sinn geöffnet ist, eine neue Welt um sich. Er sieht, was immer um ihn herum ist, in neuer Gestalt, in der Gestalt, in der er sehen muß, wenn er sich zu höherer Menschlichkeit hinaufentwickeln will. Er braucht nicht zu glauben, daß anderswo, an einem anderen Orte oder zu anderer Zeit der Himmel sei. Ihm gilt das Wort des Christus: Das Himmelreich ist mitten unter euch.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Bibel und Weisheit","site_heading":null,"date":"1907-04-26","location":null,"word_count":273,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/55/1907-04-26/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}