Bibel und Weisheit

GA 55/1907-04-26/p018 ·1907-04-26 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wie schon oft hier auseinandergesetzt worden ist, finden wir, wenn wir in uralte Zeiten zurückgehen, daß auch das Alltagsbewußtsein anders war als heute, daß ein mehr hellseherisches Bewußtsein vorhanden war. Hellseherisch wird es nicht genannt, weil es etwa klarer wäre als das Tagesbewußtsein, sondern weil es gleichsam durch die Gegenstände hindurch bis in die Seele hinein sieht, aber es ist ein dumpfes, dämmerhaftes Bewußtsein, dessen Überreste sich im nächtlichen Traumbewußtsein des Menschen erhalten haben. Aus ihm hat sich das heutige taghelle Bewußtsein der Menschheit entwickelt. Wenn wir zurückblicken in jene alten Zeiten, wo die große Masse der Menschen in diesem hellseherischen Bewußtsein lebte, so finden wir, daß es auch da schon Eingeweihte gab. Wodurch unterscheiden sich nun jene alten Eingeweihten von denjenigen, die noch in einem mehr dämmerhaften Bewußtsein um sie herum waren? Sie unterscheiden sich dadurch, daß sie schon etwas wußten von dem Bewußtsein, das die Menschheit bekommen sollte und heute hat, dadurch, daß sie imstande waren, von der Zukunft etwas vorauszunehmen, in der Art in die Welt hineinzuschauen, wie die ganze Menschheit in späterer Zeit es erlangt hat. Es war diejenige Art, welche mit den Augen und Ohren des Leibes wahrnimmt, mit denjenigen Organen, mit denen der Mensch sinnlich untersucht und verstandesmäßig begreift. Wie das heute bei den Menschen im allgemeinen wohl der Fall ist, so war es auch schon bei einzelnen eingeweihten Menschen der Vorzeit. Sie waren eben deshalb Eingeweihte. Der Eingeweihte nimmt etwas von der Zukunft voraus. Ebenso trägt der Eingeweihte unserer Tage etwas von dem erhöhten Hellsehen, von dem erhöhten Schauen, das die Menschheit in Zukunft haben wird, in sich. Er weiß etwas zu sagen von dem, was die jetzige Menschheit in Zukunft haben wird.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p018.json
Cite: GA 55/1907-04-26/p018 · edition original