{"corpus":"steiner","locus":"GA 55/1907-04-26/p021","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nur noch ein Wort über die Art und Weise, wie ein solcher Einweihungskodex gehandhabt worden ist. Das ist heute nicht mehr so üblich wie in alten Zeiten. Die Einweihungsprozesse schreiten auch vorwärts. Der Schüler wurde in alten Zeiten in eine Art Ekstase gebracht. Das Wort hatte damals eine andere Bedeutung als heute, es bedeutete nicht Außer-sich-Sein, sondern ein Bewußtwerden in höheren Bewußtseinszuständen und dahin hatte der geistige Führer den Schüler geführt. Es war vorgeschrieben, wie lange man in solchem Bewußtseinszustande gehalten werden mußte; es waren dreieinhalb Tage. Heute ist es nicht mehr so, daß das Bewußtsein herabgedämpft wird. Damals aber war der Betreffende in Ekstase und Entrückung, da wußte er nicht, was um ihn herum in der Sinnenwelt vorging, da war der Einzuweihende auf dem Gebiete der sinnlichen Welt wie einer, der schläft. Er wurde also hingeführt zu einem Bewußtseinszustand, in dem die äußere Sinnenwelt schwand. Aber was er erlebte, unterschied sich beträchtlich von dem, was der heutige Mensch erlebt, wenn beim Einschlafen die äußeren sinnlichen Gegenstände um ihn herum verschwinden. Die äußeren sinnlichen Dinge verschwanden, aber der Mensch lebte in einer Welt des Geistes; licht wurde es um ihn herum. Das, was man Astrallicht nennt, ging ihm auf: ein Licht, das ein anderes Licht ist als das physische, das uns erscheint wie ein Meer von geistiger Substanz, in dem geistige Wesenheiten eingebettet sind und aus dem sie sich herausentwickeln. Und wenn er noch höher stieg, hörte er aus dieser Welt erklingen, was in den alten pythagoräischen Schulen die Sphärenharmonie genannt wird. Dasjenige, was der Verstand als Weltgesetz in Begriffen erkennt, das nimmt der, welcher auf solcher Stufe sich befindet, wie eine Art Klang, wie geistige Musik wahr. Die geistigen Kräfte äußern sich in Harmonie und Rhythmus. Es ist aber dabei nicht an die äußere Musik zu denken. Die geistige Welt, die Welt der Himmel klingt und tönt für das astrale Licht. In diese Welt wurde der Einzuweihende eingeführt. Da lernte er die Stufen der menschlichen Göttlichkeit kennen, die die Menschheit erst in fernen Zeiten erklimmen wird. Das alles wurde für ihn Wahrheit, das durchlebte er in dreieinhalb Tagen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Bibel und Weisheit","site_heading":null,"date":"1907-04-26","location":null,"word_count":349,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p021","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1907-04-26/p021"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/55/1907-04-26/p021","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}