Bibel und Weisheit

GA 55/1907-04-26/p024 ·1907-04-26 · original (original)
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In dem, was die äußere Struktur der Lebensbeschreibung ist, können wir überall das Bild des Eingeweihten sehen, und von hier aus können wir uns die Frage beantworten: Wer waren diejenigen, welche die Evangelien geschrieben haben? Sie finden auf diese Frage eine geisteswissenschaftliche Antwort in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Was ich hier nur mit kurzen Worten andeuten kann, finden Sie dort ausführlich dargelegt, und damit auch hingewiesen auf die geistige Glaubwürdigkeit der Evangelien, Es ist dargelegt, daß das, was in den Evangelien steht, alten Einweihungsbüchern entnommen ist. Natürlich unterschieden sich die Bücher, welche Eingeweihte über diese Dinge schrieben, durch Nebensächliches. In der Hauptsache aber kam der Inhalt immer auf dasselbe hinaus. Nur müssen wir uns klarmachen, daß die, welche die Evangelien geschrieben haben, nichts anderes hatten als solche alten Einweihungsbücher. Wenn wir dann das wirklich Darinstehende ansehen, dann können wir in den verschiedenen Evangelien verschiedene Formen der Initiation oder Einweihung erblicken. Und warum unterscheiden sie sich? Weil ihre Schreiber die Einweihung von verschiedenen Orten her kannten. Verstehen werden wir dies, wenn wir das Verhältnis der Männer, die die Evangelien verfaßt haben, zum Christus Jesus ansehen. Wir erlangen die beste Vorstellung, wenn wir uns an die schönen Worte erinnern, mit denen die Apokalypse beginnt. Der, welcher die Schrift des Johannes diktierte, wird genannt: das Erste und das Letzte, das Alpha und das Omega. Nichts anderes ist damit gemeint, als dasjenige, was — trotzdem die Zeiten und Formen der Welt sich wandeln von Menschengeschlecht zu Menschengeschlecht, von Menschenrasse zu Menschenrasse, von Planet zu Planet — als eine einheitliche, geistige Wesenheit immer vorhanden bleibt. Wenn wir dies immer vorhandenbleibende Wesen als das Göttliche bezeichnen und sehen, daß wir einen Funken davon in uns haben, so fühlen wir uns mit diesem Alpha und Omega verwandt, ja wir fühlen dieses als das letzte Ideal, zu dem sich das sich Entwickelnde immer mehr hinaufhebt. So wurde uns dieses Ewige in allen Zeiten, dieses Dauernde in allem Wechsel vorgeführt.

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Cite: GA 55/1907-04-26/p024 · edition original