Bibel und Weisheit

GA 55/1907-04-26/p028 ·1907-04-26 · original (original)
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So sehen Sie, welch tiefer Sinn in solcher Namengebung steckt, und wenn hingedeutet wurde auf dieses «Ich bin», dann wurde zu gleicher Zeit auch immer hingedeutet auf denjenigen Punkt in der Menschheitsentwicklung, den ich auch schon in diesen Vorträgen erwähnt habe und der auch in der Bibel angedeutet wird, nämlich den Punkt, wo der physische Mensch beseelt wird. Ofter habe ich schon auseinandergesetzt, wie das, was heute der physische Mensch ist, sich von niederen Stufen heraufentwickelt hat, wie er sich dadurch, daß er mit einer Seele, die von der Gottheit herunterstieg, begabt wurde, sich weiterentwickeln konnte. Was aus dem Schoße der Gottheit herunterstieg, hat sich hineingesenkt in den physischen Leib und hat den physischen Leib weiterentwickelt. Dieser Moment ist auch in der Bibel angedeutet. Sie lehrt ihn mit ein paar Worten. Vor jenem Momente, der sich in Wirklichkeit über lange Zeiträume erstreckt hat, hatte jener menschliche Körper nicht das, was man brauchte, um das Ich zur Entfaltung zu bringen, nicht das, was man als physischer Mensch auch heute notwendig gebraucht. In jener Zeit atmeten die Menschenvorfahren noch nicht durch Lungen, in jener Zeit entwickelte der Mensch aus einem schwimmblasenartigen Organ heraus seine Lunge. Er lernte da erst die Lungenluftatmung, und von diesem Vorgange ab gab es erst die Beseelung des menschlichen Körpers. Denken Sie sich diesen Vorgang zusammengedrängt in einen Satz, so haben Sie das biblische Wort: Und Gott blies dem Menschen den Odem ein und er ward eine lebendige Seele. Dadurch, daß der Mensch als physisches Wesen atmen lernte, war er befähigt, die Seele aufzunehmen. Gehen wir auf die Bedeutung des Jehovah-Namens zurück, dann finden wir, daß Jehovah soviel heißt wie «Wehen», daß die Luft dahinweht. Es ist im Worte Jahve nichts anderes ausgedrückt als der wehende Atem, mit dem der Ichgeist in den Menschen einzieht. So wird in diesem Namen dargestellt, wie der wehende Atem seine Wesenheit in dem Satze ausdrückt: «Ich bin der Ich-bin», der einen Teil seiner Wesenheit hineingießt in den Menschen. Es wird uns ein wahrer Weltenvorgang da vorgeführt. So wird uns zur wahren Tatsache jenes Ewige, das in der Menschennatur lebt. Ob wir den Menschen von heute oder den Menschen vor tausenden von Jahren nehmen, das Ichwesen war da vor allen Zeiten. Denken Sie sich das Ichwesen in seiner höchsten Offenbarung, wo alles Außere unwesentlich ist, denken Sie sich, daß ein Mensch das Innerste so groß und gewaltig erkennt, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die alten Christus-Anhänger von dem Christus machten. Was da in den ältesten Zeiten nur als Funke lebte, in höchster Glorie lebte es in Jesus von Nazareth. Er war, weil er der höchste Göttliche war, der höchste Eingeweihte, daher das Wort: «Ehe denn Abraham ward, bin Ich.» Er ist in körperlicher Gestalt dasjenige, was da ist, ehe Abraham war, was da ist, ehe Abraham, Isaak und Jakob waren, er ist das, was als das größte Menschheitsideal vor dem steht, der sich entwickeln will, vor dem, der die Worte der Bergpredigt befolgt: «Selig sind diejenigen, die da sind Bettler im Geist, denn sie werden in sich finden die Reiche der Himmel.» Nehmen wir dieses Wort so, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die Christus-Anhänger damals machten. Was konnten sie von diesem höchsten inkarnierten Gott für eine Lebensbeschreibung geben? Wo war eine Lebensbeschreibung, die seiner würdig war? Das war die Lebensbeschreibung, die man im Einweihungskanon gab, demjenigen Kanon, der die Regeln enthielt, nach denen der Einzuweihende initiiert werden sollte. Wie man sieht, war es so: Willst du eingeweiht werden, dann hast du von Lebensstufe zu Lebensstufe das und das durchzumachen bis zur höchsten Stufe, die angedeutet ist mit den Worten: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verherrlicht! . . .

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