{"corpus":"steiner","locus":"GA 56/1907-10-10/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist eine radikale Richtung, die überhaupt brechen will mit allen Anschauungen vom Übersinnlichen. Gewichtiges, das ist nicht zu leugnen, hat diese Anschauung für sich anzuführen. Wer wollte die unermeßlich großen Fortschritte der äußeren Naturwissenschaft im Verlaufe der letzten Jahrhunderte und namentlich des letzten Jahrhunderts verkennen? Wer wollte diese Forschungsergebnisse nicht bewundern, die auf der einen Seite hinaufgehen bis zu den Erscheinungen des gestirnten Himmels, und auf der anderen Seite hinabtauchen in die Geheimnisse der kleinsten Lebewesen, in die Geheimnisse der Stoffe und des sinnlichen Daseins? Wer würde nicht bewundernd stehen selbst vor gewagten Spekulationen, wie sie in der neueren Zeit durch solche schöne Entdeckungen, wie die des Radiums, von einzelnen Forschern ausgehen? Und wer wird nicht sehen, daß es etwas Blendendes hat, wenn jetzt derjenige, der auf dem Boden eines solchen radikalen Positivismus oder Materialismus — auf Namen kommt es da nicht an — steht, sagt: Der Forscher ist noch weit davon entfernt, durch die sinnliche Erforschung alle Rätsel des Daseins zu lösen; aber man habe Geduld, die Zeit wird kommen, wo das, was heute noch mit einem dichten Schleier bedeckt ist, klargelegt wird durch die Naturwissenschaft selber; die Zeit wird kommen, wo die Altertumsforscher die in den heute noch bedeckten Erdschichten liegende vergangene Welt, die Natur in ihrem Schaffen, enträtseln werden, wo die rein sinnliche Forschung hineinleuchten wird in die Vergangenheit. Kommen wird auch die Zeit — so wird mit Recht sagen, wer auf dem Boden der Forschung steht —, wo man im Laboratorium gewisse Stoffe zu unlebendigen Substanzen hinzumischen wird, so daß es gelingen wird, die lebendige Substanz im Laboratorium selber herzustellen. Vielleicht erscheint das heute noch als eine waghalsige Idee; aber die Entwickelung geht in dieser Richtung, und dann kannst du, Geheimwissenschafter, einpacken, weil du kein Recht mehr haben wirst, von übersinnlichen Dingen zu sprechen, wenn wir gezeigt haben werden, daß selbst das Leben durch eine Kombination von Stoffen und Kräften herzustellen ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Mission der Geheimwissenschaft in unserer Zeit","site_heading":null,"date":"1907-10-10","location":null,"word_count":317,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/56/1907-10-10/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/56/1907-10-10/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/56/1907-10-10/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}