Die Mission der Geheimwissenschaft in unserer Zeit

GA 56/1907-10-10/p014 ·1907-10-10 · original (original)
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Der Geheimwissenschafter aber stellt dem das Folgende entgegen. Er sagt: Für diejenigen Erkenntnisse, von denen du meinst, daß sie dir klar sind, hast du vollständig recht, mehr kannst du da nicht erkennen. Aber es gibt eine Entwickelung des Erkenntnisvermögens. Willst du in die übersinnliche Welt eindringen, so mußt du übersinnliches Erkenntnisvermögen entwickeln. Und das ist möglich! — So widerspricht der Standpunkt, den die Geheimwissenschaft einnimmt, durchaus nicht dem, was diese Menschen sagen. Sie ist sogar mit ihnen einverstanden. Sie sagt nur, der Mensch hat noch ein anderes Erkenntnisvermögen in sich, das ohne diese Grenzen ist, und das er in sich entwickeln kann. Nun, hat irgend jemand in der Welt — betrachten wir es einmal vom Standpunkte eines klaren logischen Denkens — ein Recht zu sagen, daß es so etwas wie eine Entwickelung des Erkenntnisvermögens nicht gibt? Was kann er sagen? Er kann nur sagen, ich kenne es nicht, mir ist es unbekannt. Er kann sich selbst die Grenze ziehen, durch die er nicht hineinsehen kann in eine solche Entwickelung. Wenn er sagt, meine Grenze des Erkenntnisvermögens reicht nicht dazu aus, so ist er verbunden, zu sagen: Ich weiß nicht. -- Dann darf er auch nichts entscheiden wollen über solche Tatsachen. Nicht derjenige, der nichts weiß über die übersinnliche Welt, kann sagen, ob es eine solche gibt oder nicht, sondern derjenige, der etwas darüber weiß. Die Geheimwissenschaft steht gerade auf dem Standpunkte des Positivismus in seiner ganzen Universalität. Der Geheimwissenschafter sagt: Niemand hat zu entscheiden, was man wissen oder nicht wissen kann, sondern jeder hat nur zu entscheiden über das, was er selbst weiß.

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Cite: GA 56/1907-10-10/p014 · edition original