Die Mission der Geheimwissenschaft in unserer Zeit

GA 56/1907-10-10/p015 ·1907-10-10 · original (original)
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Damit ist ein Gefühlsmoment berührt, das nicht ohne Bedeutung ist in unserer Geheimwissenschaft. Man sagt, die Geheimwissenschaft führe zu geistigem Hochmut, weil die Geisteswissenschafter behaupten, sie könnten über die gewöhnliche Erkenntnis hinausdringen. Aber gerade das Umgekehrte ist der Fall. Es gibt keinen größeren Hochmut als den, der von sich aus entscheiden will nicht nur über das, was er nicht weiß, sondern sogar entscheiden will darüber, was der Mensch wissen darf oder nicht wissen darf. Das ist der Hochmut, der sich selbst als Norm hinstellt für alle Menschen. Dagegen ist es geistige Demut, wenn der, welcher auf dem Boden der Geheimwissenschaft steht, selbst über nichts anderes entscheiden will, als was er wissen kann. Über das, was jenseits unserer Grenzen der Erkenntnis liegt, reden wir nicht. Das ist die Gesinnung, die zur wahren Demut führt. Daher wird das, um was es sich in der Geheimwissenschaft handelt, immer einen persönlichen Charakter tragen müssen. Das ist kein Schaden. Das spricht auch nicht gegen die Gültigkeit der geheimwissenschaftlichen Wahrheiten. Wir müssen uns darüber klar sein, daß der Mensch das, was er über höchste und übersinnliche Dinge finden will und finden soll, in seiner innersten Seele finden muß durch die Kraft, die er im geistigen Leben immer durch sich selbst entwickelt. Wenn das aber so ist, so muß im Grunde genommen jeder, der die Tatsachen der Geheimwissenschaft selber sehen will, auf sein eigenes Inneres hingewiesen werden. Hieraus leiten viele Gegner ihre Einwände ab, indem sie sagen, daß etwas, was nur im menschlichen Innern ergründet wird, nur dem Glauben anheimgestellt werden könne, keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen dürfe.

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