Die Mission der Geheimwissenschaft in unserer Zeit

GA 56/1907-10-10/p027 ·1907-10-10 · original (original)
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Derjenige nun, der, ohne selbst hellsichtig zu sein, alles einsieht, was die Geheimwissenschaft zu sagen hat, ist ein Eingeweihter. Wer aber selbst eintreten kann in diese Welten, die wir die unsichtbaren nennen, der ist ein Hellseher. In alten Zeiten, die noch gar nicht so lange hinter uns liegen, bestand in den Geheimschulen eine strenge Trennung zwischen Hellsehern und Eingeweihten. Man konnte als Eingeweihter, ohne Hellseher zu sein, hinaufsteigen zu den Erkenntnissen der höheren Welten, wenn man nur in richtiger Weise den Verstand anwendete. Auf der anderen Seite konnte man Hellseher sein, ohne in besonders hohem Grade eingeweiht zu sein. Es wird Ihnen schon klar werden, wie das gemeint ist. Denken Sie sich zwei Menschen, einen sehr gelehrten Herrn, der alles mögliche weiß, was die Physik und die Physiologie über das Licht und die Lichterscheinungen zu sagen haben, jedoch so kurzsichtig ist, daß er kaum zehn Zentimeter weit sehen kann: er sieht nicht viel, ist aber eingeweiht in die Gesetze des Lichtwirkens. So kann jemand eingeweiht sein in die übersinnliche Welt und schlecht darin sehen. Ein anderer kann ausgezeichnet in der äußeren sinnlichen Welt sehen, aber so gut wie nichts wissen von dem, was der gelehrte Herr weiß. So kann es auch Hellseher geben, vor deren geistigen Augen die geistigen Welten offen daliegen. Sie können hineinschauen in die geistige Welt, haben aber keine Wissenschaft, keine Erkenntnis von derselben. Daher hat man eine lange Zeit hindurch den Unterschied gemacht zwischen dem Hellseher und dem Eingeweihten. Um die Fülle des Lebens zu umfangen, brauchte man oft nicht einen, sondern viele Menschen. Die einen wurden, um weiterzukommen, nicht hellsichtig gemacht. Anderen wurden die geistigen Augen und Ohren geschaffen. Das, was in der Geheimwissenschaft vorhanden war, ist durch Mitteilung und Gedankenaustausch zwischen Geheimwissenschaftern und Hellsehern zustande gekommen.

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Cite: GA 56/1907-10-10/p027 · edition original