Initiation oder Einweihung
Von dem Prinzipe der Einweihung sprach man zu allen Zeiten der Menschenentwickelung. Nur war das Verhältnis zum Öffentlichen Wirken anders, als es in unserem Zeitalter sein muß. Ob wir nun zurückgehen in die alten indischen, chaldäischen, babylonischen, ägyptischen, griechisch-römischen Kulturen, ob wir die Zeit des Mittelalters heraufwandern, durch das i6., 17. Jahrhundert bis zu uns, immer gab es Eingeweihte und Schüler der Eingeweihten. Nur sprach man nicht öffentlich darüber. Eingeweiht! Was war es? Es ist ein Unterschied zwischen einem Eingeweihten, einem Hellseher, und solchen, die höhere Kräfte anwenden im Dienste der physischen Welt. Auf diese feineren Unterschiede wollen wir uns aber heute nicht einlassen. Hellseher ist derjenige, der hineinschauen kann in die übersinnlichen Welten, für den dasjenige, was für den gewöhnlichen Menschen verborgene Welten sind, offenbare, wahrnehmbare Welten sind. Warum wurde die Einführung in solche höheren Welten sozusagen im Geheimen betrieben? Warum sprach man in früheren Zeiten öffentlich nicht davon? Wir werden das nächste Mal von den Gefahren der Einweihung sprechen. Heute soll nur darauf aufmerksam gemacht werden, daß an der Grenze zwischen der sinnlichsichtbaren Welt und der unsichtbar-übersinnlichen Welt in der Tat eine gewisse Gefahr für den Menschen lauert, und daß derjenige, der ein Eingeweihter werden soll, diese Gefahr zunächst zu überwinden hat. Sie besteht darin, daß es an der Grenze der physischen und der überphysischen Welt außerordentlich schwer ist, Illusion von Wirklichkeit, Träume von Realität, Vision von wirklicher Anschauung zu unterscheiden. Hier auf diesem Gebiete ist es sehr leicht, die eigenen phantastischen Gebilde seiner Seele mit dem, was real, objektiv, wirklich ist, zu verwechseln. Es bedarf verschiedener Eigenschaften, die im folgenden auseinandergesetzt werden, um an der Grenze gerade kaltes Blut, Sicherheit der Seele, Mut, Ausdauer und Energie zu bewahren, denn, wenn der Mensch an dieser Grenze die Klarheit über das, was Schein und was Wirklichkeit ist, verlieren würde, dann hätte er den Verstand verloren, dann wäre er ein Narr statt eines Eingeweihten.