{"corpus":"steiner","locus":"GA 56/1907-11-28/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Derjenige, der innerhalb unserer deutschen Bildung und Kultur für andere Gebiete als für Raumgebilde in der Geometrie solche sinnlichkeitsfreien Ideen aufgestellt hat, ist wiederum Goethe, und es ist eine wunderbare, eine gewaltige Errungenschaft des Geisteslebens der Menschheit, was Goethe geleistet hat mit dem Typus der Pflanzen, mit der Urpflanze, und dem Typus der Tiere, dem Urtier. Was sind das für Gedanken? Goethe selbst sucht sie in seiner Weise klarzumachen. Viele haben darüber geschrieben. Aber das meiste ist Unsinn, weil die meisten nicht die Möglichkeit haben, zu verstehen, wie sich ein geistig konstruierter Kreis, dessen Gesetze wir einsehen können, verhält zu dem auf der Tafel gezeichneten Kreis, der nichts ist als eine Anzahl Kreidepartikelchen. So aber verhält sich dasjenige, was Goethe die Urpflanze nennt, zu der äußerlich-sinnlich wahrnehmbaren Pflanze. Draußen sind die verschiedenen Pflanzen — so dachte Goethe -, die eine sieht so, die andere so aus. Aber in uns lebt eine innere geistige Kraft, durch die wir imstande sind, aus innerer Produktion heraus den Begriff der Urpflanze zu finden. Die Botaniker haben gedacht, Goethe habe eine unvollkommene Pflanze gemeint. Unsinn ist das! Er meinte die geistig geschaute Pflanze! Das ist es, was ich in einem meiner Bücher versucht habe nachzukonstruieren als diese Urpflanze, so wie man auch den Kreis im Geiste konstruiert. Goethes Urpflanze enthält, wenn man im Geiste in der Lage ist, alle Möglichkeiten aus ihr hervorzuzaubern, alle möglichen Pflanzen; sein Urtier enthält alle möglichen Tiere. Es ist eine geistige Organik, was Goethe da geschaffen hat. Sie gibt uns die Möglichkeit, das, was nicht unseren Sinnen erscheinen kann, im Geiste zu erschaffen. Da gehen wir allerdings von einer tiefen, bedeutsamen geistigen Tatsache aus. Und Goethe ging von dieser Tatsache aus, von welcher ihm das, was er als Urpflanze fand, zuteil wurde. Das war für ihn nicht eine bloße Idee, sondern es war das Schaffende in allen Pflanzen. Das Urtier war für ihn das Schöpferische in jedem Tier.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Initiation oder Einweihung","site_heading":null,"date":"1907-11-28","location":null,"word_count":318,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/56/1907-11-28/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/56/1907-11-28/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/56/1907-11-28/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}