Initiation oder Einweihung
Die Ausbildung des Fühlens geschieht mit Hilfe der Imagination in der Schule der Einzuweihenden. Der Schüler schafft sich zunächst eine bildliche Vorstellung der Welt; dann muß er so recht still seine Weltbetrachtung vornehmen unter dem Goetheschen Spruch: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Ich möchte Ihnen an einem Beispiel, das ich schon mehrfach gegeben habe, zeigen, wie man den, der eine geistige Entwickelung anstrebt, hineinführt in die Tiefen der Dinge, wie man ihm durch Imagination eine Schulung des Gefühls beibringt. Wenn Sie mit Ihrem Denken die Entwickelung der Wesen erfassen wollen und beim Denken stehenbleiben, so können Sie niemals aus dieser Sinneswelt einen ordentlichen Schritt hinausmachen. Sie können sich die verschiedensten Begriffe aneignen, wie sich untergeordnete Wesen immer höher bis zum Menschen entwickeln, Sie können sogar die geisteswissenschaftliche Entwickelungslehre nehmen, wie sich der Logos ergossen hat und immer kompliziertere Formen und Welten gebildet hat: Pflanzen, Tiere, Menschen und Menschenreiche, wie alle Differenzierungen sich gebildet haben, Evolutionen und Involutionen und so weiter. Das sind Lehren, die Sie in theosophischen Büchern finden, schöne und interessante Begriffe. Aber in die höheren Welten hineingelangen können Sie auf diesem Wege nicht. Sie können sich dadurch Vorstellungen bilden, die Analogien sind von höheren Welten, niemals aber können Sie damit in diese Welten hineinkommen. Dazu brauchen Sie Imagination. Es ist das nicht etwas Eingebildetes. Es ist etwas, was mit einer produktiven Kraft hervorgebracht wird und nicht bloß in Begriffen sich ausgestaltet, so daß diese Begriffe, wie Goethes Urpflanze und Urtier, den äußeren Wirklichkeiten entsprechen; sondern es werden Bilder ausgestaltet, die viel Tieferem entsprechen, die dem Geist entsprechen, der hinter diesen Dingen schafft.