Das Gesundheitsfieber im Lichte der Geisteswissenschaft
Gesundheit ist etwas, wonach naturgemäß jeder Mensch verlangt. Und wir dürfen sagen: Dieses Verlangen des Menschen nach Gesundheit entspringt ja nicht allein den egoistischen Gefühlen und Wünschen, sondern es entspringt dem berechtigten Sehnen nach Arbeit. Wir verdanken unsere Arbeitsfähigkeit, die Möglichkeit, in der Welt zu wirken, der Gesundheit. Deshalb schätzen wir die Gesundheit als ein ganz besonderes Gut. Nun liegt aber gerade in dieser Denkungsart, die Gesundheit um der Arbeitsfähigkeit willen zu erstreben, etwas höchst Bedeutsames vor. In gewisser Weise liegt darin das Geheimnis, unter welchen Umständen Gesundheit überhaupt erstrebenswert ist. Es könnte dies sonderbar aussehen, daß Gesundheit nur unter gewissen Umständen erstrebenswert sein soll. Aber die heutige Betrachtung soll uns gerade zeigen, daß Gesundheit zu denjenigen Gütern gehört, die uns am ehesten dann werden, wenn wir sie nicht um ihrer selbst willen, sondern um eines anderen willen erstreben. Daß dies heute nicht immer geschieht, das kann jeden ein Blick in die Umwelt, die uns gegenwärtig umgibt, lehren.