Das Gesundheitsfieber im Lichte der Geisteswissenschaft
Nun können wir uns einen Begriff machen von der Bedeutung dieses umbildenden Kulturprozesses, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie es den Wesen ergeht, die auch dieser Einwirkung unterworfen sind und die Umbildung nicht mitmachen können. Das sind die Tiere. Diese sind anders gebaut als die Menschen. Wenn wir das Tier ansehen, so wie es in der physischen Welt erscheint, so hat es seinen physischen Leib, seinen Ätherleib und seinen astralischen Leib in der physischen Welt, aber es hat kein Ich in der physischen Welt. Deshalb sind die Tiere auf dem physischen Plan unfähig zur Umwandlung der drei Leiber und können sich einer neuen Umgebung nicht mehr anpassen. Vorgestern haben wir die wilden Tiere in der Gefangenschaft betrachtet. Tiere draußen in der Wildnis haben nie Tuberkulose, Zahnfäule und so weiter, wohl aber in der Gefangenschaft. So zeigen sie eine ganze Reihe von Dekadenzerscheinungen in der Gefangenschaft oder in ähnlichen Verhältnissen. Der Mensch wird während des Kulturprozesses fortwährend in andere Verhältnisse gebracht. Darin besteht die Kultur. Es gäbe sonst keine Entwickelung, keine Geschichte der Menschen. Das, was wir als Naturexperiment bei den Tieren in seiner Wirkung auf den physischen Leib beobachtet haben, das tritt uns bei den Menschen als das Gegenteil entgegen. Der Mensch vermag, weil er ein Ich hat, die Kultureindrücke, die auf ihn einstürmen, innerlich zu verarbeiten. Er ist innerlich tätig, paßt zunächst seinen astralischen Leib den geänderten Verhältnissen an und gliedert ihn um. Während der Mensch sich heranentwickelt, kommt er in höhere Kulturen und empfängt immer neue Eindrücke. Diese drücken sich zunächst in Gefühlen und Empfindungen aus. Würde der Mensch nun passiv, untätig bleiben, würde keine Aktivität sich regen, keine Produktivität, so würde auch der Mensch verkümmern, krank werden, wie das Tier. Aber das zeichnet den Menschen aus, daß er sich anpassen kann und vom Astralleib aus den Ätherleib und physischen Leib allmählich umzuändern vermag. Der Mensch muß aber innerlich dieser Umwandlung gewachsen sein, sonst tritt kein Gleichgewicht ein zwischen dem, was äußerlich an ihn herantritt und dem, was von innen dagegen wirkt. Wir würden erdrückt werden durch die Eindrücke von außen, wie das Tier von ihnen erdrückt wird im Käfig, weil es keine innere Produktivität entwickelt. Der Mensch hat aber diese innere Tätigkeit. Den geistigen Lichtern um ihn herum muß der Mensch immer etwas entgegensetzen können, gewissermaßen ihnen Augen entgegenbringen.