Das Gesundheitsfieber im Lichte der Geisteswissenschaft
Alles ist ungesund, was eine Disharmonie ergibt zwischen äußeren Eindrücken und innerem Leben. Gerade in der Großstadt können wir sehen, was es bewirkt, wenn die äußeren Eindrücke immer gewaltiger werden. Wenn wir immer mehr dahinstürmen müssen, wenn wir polternde Töne, hastende Menschen an uns vorbeigehen lassen müssen, ohne dagegen Stellung zu nehmen, ohne dagegen zu wirken, dann ist das ungesund. Unter der Stellungnahme dagegen ist am wenigsten eine verstandesmäßige zu verstehen, sondern es kommt darauf an, daß unsere Empfindung, unsere Seele, ja unser Leibesleben dazu Stellung nehmen kann. Wir werden das recht verstehen durch die Betrachtung einer bestimmten Krankheit, die besonders in unserer Zeit auftritt und die früher nie da war: Ein Mensch, der nicht viel aufzunehmen gewohnt ist, der arm ist in seiner Seele, wird allen möglichen Eindrücken entgegengeführt, so daß er einem ganz unverstandenen Äußeren gegenübersteht. Das ist namentlich bei vielen weiblichen Naturen der Fall: das Innere ist zu schwach, zu wenig gegliedert, um alles zu verarbeiten. Aber auch bei vielen männlichen Personen finden wir das. Die Folge sind hysterische Krankheiten. Alle diese Krankheiten sind hierauf zurückzuführen.