Das Gesundheitsfieber im Lichte der Geisteswissenschaft
Man denkt heute vielleicht gerade von dem Geisteswissenschafter, daß ihm das Essen etwas Gleichgültiges ist, was er verständnislos hineinstopft. Sich bewußt zu werden, was es heißt, einen Teil des Kosmos zu sich zu nehmen, der vom Sonnenlicht durchglüht ist, von dem geistigen Zusammenhang zu wissen, in dem unsere Umwelt steht, sie nicht nur physisch, sondern auch geistig zu genießen, das befreit uns von allem krankmachenden Ekel, von aller krankmachenden Überlastung. So sehen wir, daß es große Anforderungen an die Menschheit stellt, das Gesundheitsstreben in die richtigen Bahnen zu lenken. Aber die Geisteswissenschaft wird die Menschen stark machen. Sie wird immer mehr jeden Menschen, der sich ihr widmet, zur Norm seiner selbst machen. Das ist zugleich das edle Freiheitsstreben, das aus der Geisteswissenschaft kommt und das den Menschen zum Herrscher seiner selbst macht. Jeder Mensch ist eine individuelle Wesenheit hinsichtlich seiner Eigenschaften sowohl wie seiner Gesundheiten und Krankheiten. Wir sind in den gesetzmäßigen Zusammenhang der Welt gestellt und müssen unser Verhältnis zur Welt kennenlernen. Keine äußere Macht kann uns helfen. Wenn wir diesen starken inneren Halt finden, so sind wir erst ganze Menschen, denen nichts genommen werden kann. Aber es kann uns auch niemand etwas geben. Wir werden uns jedoch in Gesundheit und Krankheit zurechtfinden, weil wir den starken inneren Halt in uns selbst haben. Dieses Geheimnis allen gesunden Strebens hat wieder ein Geist ausgedrückt, ein eminent gesund denkender und fühlender Geist. Er sagt uns, wie das harmonisierte menschliche Wesen seinen Weg unbeirrt geht. Goethe ist es, der uns in seinem Gedicht «Urworte orphisch» sagt: