Die Sogenannten Gefahren der Einweihung

GA 56/1907-12-12/p006 ·1907-12-12 · original (original)
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Es gibt keine größere Askese, keine furchtbarere Entbehrung für die, welche Interesse für die Geisteswissenschaft haben, als sich hinzugeben dem Treiben, das man in vielen Kreisen eben das «Leben» nennt. Wenn man das Leben nennt: Morgens aufstehen, seine Zeitung lesen, diesem oder jenem nachgehen, von dem man einsehen kann, daß es einen praktischen Nutzen hat, am Abend dieses oder jenes Banale mitmachen — wenn man das Leben nennt, dann gibt es in der Tat eine «Askese» für den Theosophen, eine schreckliche Entbehrung, nämlich, wenn man ihn zwingt, dieses Leben mitzumachen. Wenn daher trotz allen widerstrebenden Kräften das Interesse für die Theosophie und für dasjenige, was von der Geheimwissenschaft öffentlich gebracht werden darf, heute immer größer und größer wird, so ist das nur ein Beweis dafür, daß es immer mehr und mehr Leute gibt, die dem «asketischen» Leben der gewöhnlichen Vergnügungen entfliehen und sich dem wirklichen Leben einmal in die Arme werfen wollen. Das würden die Menschen einsehen müssen, wenn sie einmal mit sich zu Rate gehen würden; denn ein Gejammer und ein Gewimmer unter Leiden und Entbehrungen ist eben das Leben in der Geheimwissenschaft durchaus nicht. Und die Lebenspraxis ist ja ein Kapitel, das in den verschiedenen Vorträgen auch schon besprochen worden ist.

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Cite: GA 56/1907-12-12/p006 · edition original