Die Sogenannten Gefahren der Einweihung
Wenn diejenigen, die sich häufig so viel einbilden auf ihre Lebenspraxis, sagen, die Theosophie mit ihren weltfremden Ideen setzte den Menschen nur Mucken in den Kopf, und die Leute, die sich an so etwas hingeben, brächten es niemals zu einer wirklichen Arbeit im Leben, nur einmal einen Blik in die Welt werfen würden und auf das, was man einerseits Praxis, anderseits unpraktischen Idealismus nennt, so würden sie vielleicht anders sprechen. Es war ein deutscher Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, der das schöne Wort gesprochen hat: Daß Ideale nicht unmittelbar im Leben anzuwenden sind, das wissen die Idealisten ebensogut wie die sogenannten praktischen Leute, vielleicht besser. Daß aber gewisse Leute nicht einsehen können, daß alles Leben aus dem Lebensideal herausfließt, aus dem, was noch nicht da ist, was erst werden soll, das zeigt nur, daß auf sie, wie Fichte sich ausdrückt, im Plane der Veredelung der Menschheit nicht gerechnet ist. Möge ihnen daher die Gottheit zur rechten Zeit Regen und Sonnenschein, Nahrung, und dabei kluge Gedanken verleihen! - Der Theosoph mag sich aus einer objektiven Betrachtung des Lebens heraus trösten, wenn auf die Gefahr des sogenannten Unpraktischen hingewiesen wird. Da kann nämlich als Beispiel dafür, was Praxis ist, jenes kluge Kollegium von Praktikern in einem Lande des südlichen Deutschland angeführt werden. Als man in Deutschland die erste Eisenbahn bauen wollte, fragte man bei ihnen an, ob es gut sei, wenn diese Eisenbahn gebaut würde. Das Kollegium sagte — jeder kann sich überzeugen, daß das Dokument vorhanden ist -, man solle keine Eisenbahn bauen, denn die Menschen würden schwere Schädigungen ihres Nervensystems erleiden; sollte es aber Menschen geben, die doch mit einer Eisenbahn fahren wollen, und sollte sie gebaut werden, so müßte man links und rechts von ihr hohe Bretterwände aufrichten, damit diejenigen, an denen sie vorbeifährt, nicht Gehirnerschütterung bekommen. — Das ist noch nicht lange her! Es ist auch noch nicht lange her, daß ein Mann, der kein Praktiker, sondern ein «unpraktischer Lehrer» war, den Rat gab, statt der teuren Porti die billigeren Postkarten einzuführen. Es war Rowland Hill, der Nichtpraktiker. Da war aber ein Postmeister, der sagte: Ich kann es nicht recht einsehen, daß man dadurch, daß man auf diese Art und Weise die Portoerhebung einführt, einen Vorteil hat; denn wenn der Verkehr sich in einer solchen Weise entwickeln würde, so würde das Postgebäude nicht mehr ausreichen, um alle Briefschaften und Postsachen aufzunehmen und zu befördern. - So erscheint einem manches Urteil, das heute aus den Kreisen der Leute kommt, die der 'Theosophie feindlich gesinnt sind.