Die Sogenannten Gefahren der Einweihung

GA 56/1907-12-12/p021 ·1907-12-12 · original (original)
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Nun müssen wir uns einmal klarmachen, inwiefern hier eine Gefahr liegt. Denken Sie sich einen Menschen, der, ohne es zu wissen, in der Nähe eines Pulvermagazins ist. Er weiß nichts davon. Plötzlich erfährt er es aber, und er bekommt eine ungeheure Angst bei dem Gedanken, daß er in die Luft gesprengt werden könnte, wenn das Pulvermagazin explodiert. Draußen hat sich nichts geändert; dennoch ist für ihn das Leben ein anderes. Das einzige, was anders ist als früher, ist, daß er jetzt von der Gefahr weiß. Das Wissen unterscheidet ihn von dem, der nichts weiß. So ist es auch mit den höheren Welten. Die Gefahr, das Furchtbare, das in ihnen enthalten ist, ist immer um den Menschen herum. Ja, es lauern ungeheure Gefahren für des Menschen Seele in Welten, von denen die Menschen keine Ahnung haben. Der einzige Unterschied in bezug auf diese Gefahren und Furchtbarkeiten für den, der niemals an die Geisteswissenschaft herangetreten ist, und dem, der an sie herangetreten ist, ist, daß der letztere von dieser Gefahr weiß und der erstere nicht. Und doch ist es vielleicht nicht ganz so, und zwar aus den folgenden Gründen: Wir betreten die geistige Welt, in welcher das Geistige wirksam ist. Das Pulvermagazin wird nicht gefahrvoll dadurch, daß Sie Angst davor haben, daß das Pulver explodiert; aber Ihre Furcht, die bedeutet etwas in der geistigen Welt! Es ist ein Uhnterschied, ob Sie sie haben oder nicht haben. Der geistigen Welt sind die Gedanken, die Sie hegen, als etwas Reales eingefügt. Ein Haßgefühl, das Sie einem Menschen entgegenbringen, ist in der geistigen Welt realer und für denjenigen, der es durchschaut, auch viel wirksamer als ein Schlag, den Sie dem Betreffenden mit einem Stock geben. Wenn sich das Furchtbare auch nicht unmittelbar vor Ihren Augen abspielt, es ist doch so. Furcht und Angst, solche negativen Gefühle, die sind in der Tat etwas, was, wenn es aus dem Menschen ausströmt, dadurch, daß er die entsprechenden geistigen Wesen und Kräfte kennenlernt, verhängnisvoll werden kann. Diese Angst und diese Furcht sind in der Tat etwas, was den Menschen zu der geistigen Welt in ein verhängnisvolles Verhältnis setzt; denn es gibt in der geistigen Welt Wesenheiten, für die Angst und Furcht, die von dem Menschen ausströmen, wie eine willkommene Nahrung sind. Hat der Mensch nicht Angst und nicht Furcht, dann hungern diese Wesen. Derjenige, der noch nicht tiefer eingedrungen ist, möge das als Vergleich nehmen. Derjenige aber, welcher diese Sache kennt, weiß, daß es sich um eine Wirklichkeit handelt. Strömt der Mensch Furcht und Angst und Kopflosigkeit aus, dann finden diese Wesen eine willkommene Nahrung, und sie werden mächtiger und mächtiger. Das sind feindliche Wesen für die Menschen. Alles, was sich nährt von negativen Gefühlen, von Angst, Furcht und Aberglauben, von Hoffnungslosigkeit, von Zweifel, das sind in der geistigen Welt dem Menschen feindliche Mächte, die grausame Angriffe auf ihn führen, wenn sie von ihm genährt werden. Daher ist es vor allen Dingen notwendig, daß der Mensch, der in die geistige Welt eintritt, vorerst sich stark mache gegen Furcht, Hoffnungslosigkeit, Zweifelsucht und Angst. Das sind aber gerade Gefühle, die so recht moderne Kulturgefühle sind, und der Materialismus ist geeignet, weil er die Menschen abschneidet von der geistigen Welt, durch Hoffnungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten diese dem Menschen feindlichen Mächte gegen ihn aufzurufen.

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Cite: GA 56/1907-12-12/p021 · edition original