Die Sogenannten Gefahren der Einweihung

GA 56/1907-12-12/p025 ·1907-12-12 · original (original)
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Diejenigen sind am wenigsten selbstlos, die am meisten der Selbstlosigkeit sich rühmen, wie diejenigen gewöhnlich die Unwahrsten sind, die nach jedem dritten Satz das Wort «wahrhaftig» im Munde führen. Auch dem liegt ein tiefes Gesetz zugrunde im Okkultismus. Zuerst handelt es sich darum, tiefer und tiefer in die wirklichen Wahrheiten und Erkenntnisse der Geheimwissenschaft einzudringen, und nicht solche Ideale sich vorzusetzen, wie: Du sollst dein Ich überwinden. — Mit einer solchen Phrase ist gar nichts getan. Es ist nichts getan, wenn zum Beispiel ein Ofen hier steht und ich sage zu ihm: Du sollst ein braver Ofen sein, du mußt das Zimmer warm machen. — Sie können ihn streicheln und liebevoll behandeln, aber damit ist nichts getan. Erst wenn Sie dem Ofen Holz geben, wird er heizen. $o nützt es auch gar nichts, der Welt Tugend, Selbstlosigkeit, Freiheit zu predigen. Das Richtige ist, einzuheizen, dem Menschen Heizmaterial zu geben; und das Heizmaterial sind die geheimwissenschaftlichen Wahrheiten. Wie das Holz und die Kohlen den Ofen warm machen, so machen die wirklichen geheimwissenschaftlichen Wahrheiten den Menschen nach und nach selbstlos. Und warum? Weil sie in vielem das Interesse abziehen von dem kleinen Punkte, den man das Ich nennt. Die theosophischen oder geheimwissenschaftlichen Wahrheiten sind so groß, so mächtig und bedeutsam, nehmen uns so stark in Anspruch, daß wir uns nach und nach als Einzelpersönlichkeit höchst uninteressant vorkommen. Man lernt erst, wie uninteressant die Einzelpersönlichkeit ist. Dieses Lernen, wie uninteressant die einzelne menschliche Persönlichkeit ist, dieses Lernen an sich selbst, wenn es herbeigeführt wird durch das Heizmaterial der geheimwissenschaftlichen Wahrheiten, das führt den Menschen erst zur Befreiung vom Egoismus.

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