Die Sogenannten Gefahren der Einweihung
Es ist eine hohe Wahrheit auf der einen und eine schokkierende Phrase auf der anderen Seite, wenn dem Menschen gesagt wird: Du sollst deine Persönlichkeit hinopfern. — An einem Beispiel will ich es klarmachen, wie es das eine Mal etwas sehr Hohes und das andere Mal etwas Phrasenhaftes sein kann. Denken Sie einmal, Sie stellen einem Menschen, der zehn Pfennig in der Tasche hat, die Zumutung, er soll diese zehn Pfennig hinopfern für irgendeine Sache. Er wird dieses Opfer leicht bringen. Wenn Sie dagegen einem Menschen, der zufällig zwanzigtausend Mark bei sich hat vielleicht sein ganzes Vermögen -, die Zumutung stellen, daß er das, was er bei sich hat, opfern soll, so ist das eine ganz andere Sache. Die Zumutung an jemand, der noch nicht an sich gearbeitet hat, der seine Persönlichkeit noch nicht erhöht hat, noch nicht eine Persönlichkeit genannt werden kann, er solle sich der Persönlichkeit entschlagen, ist etwas ganz anderes als bei dem, der lange an ihr gearbeitet hat, um sie so tüchtig wie nur möglich zu machen. Der eine opfert am Altar der Menschheitsentwickelung ein Genie, der andere einen Dummkopf. Es kommt nicht darauf an, daß man opfert, sondern was man opfert. Um eine Persönlichkeit für die Menschheit in die Schranken schlagen zu können, muß man erst diese Persönlichkeit ausbilden. So ist es das eine Mal eine Phrase, von dem Opfer der Persönlichkeit zu sprechen, das andere Mal ist es eine große, eine bedeutsame Wahrheit. Daher nützt es gar nichts, wenn in theosophischen Büchern die Forderung des Opfers der Persönlichkeit ausgesprochen wird und nicht zu gleicher Zeit gefordert wird: mache die Persönlichkeit so stark, so umfassend wie nur möglich.