Bibel und Weisheit II

GA 57/1908-11-14/p010 ·1908-11-14 · original (original)
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Da entsteht aber aus der Geisteswissenschaft heraus eine weitere Frage. Stellen wir uns geradezu auf den Boden, auf den sich manche neue Forscher gestellt haben. Die einen wollten schildern ein Ereignis, das sich im Beginne unserer Zeitrechnung zugetragen hat. Diese setzten dann Mythisches und Legendäres dazu. Nehmen wir an, wir stellten uns auf diesen Boden. Da müssen wir uns fragen: Ist eine Möglichkeit vorhanden, aus diesen Voraussetzungen heraus noch von einem Christentum als solchem zu sprechen? Geht es an, von einem Christentum zu sprechen, wenn wir die Urkunden, die von diesem Christentum künden, in rein materialistischem Sinne auffassen? Geht das an gegenüber der ganzen Bibel? - Zwei Dinge sollen zunächst angeführt werden, welche beweisen werden, daß die Frage gar nicht anders gestellt werden kann als wie sie gestellt worden ist, und daß sie andeutend beantwortet werden kann. Nehmen wir an, Christian Baurs Anschauung wäre richtig, daß in Palästina etwas geschehen sei, das so zu erklären ist wie die äußeren historischen Tatsachen, und daß im Laufe der Zeit die Schreiber aus den Vorurteilen ihrer Zeit heraus dasjenige der Nachwelt überliefert haben, was in ihnen steckt. Nehmen wir an, wir müßten eine solche Forschung voraussetzen, vor allem mit dem Glauben, daß eine geistige Wesenheit aus geistigen Sphären heruntergestiegen sei, die gewohnt hat in Jesu von Nazareth, auferstanden ist, den Sieg des Lebens über den Tod davongetragen hat — was wir als die eigentliche Essenz des Mysteriums von Golgatha bezeichnen. Mit dieser Lehre — sagt Baur — muß gebrochen werden. Diese Auffassung gilt als eine dogmatische. Diese Auffassung muß gestrichen werden. Es muß das Ereignis in Palästina so untersucht werden wie ein anderes geschichtliches Ereignis.

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Cite: GA 57/1908-11-14/p010 · edition original