Ernahrungsfragen im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 57/1908-12-17/p003 ·1908-12-17 · original (original)
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Es erscheint manchem sonderbar, wenn die Geisteswissenschaft spricht über dasjenige, was mit einem gewissen Recht als das Materiellste, als das Ungeistigste von vielen angesehen wird: über die Ernährung. Es gibt Menschen, die ihren besonderen Idealismus, ja ihre besondere Geistigkeit dadurch andeuten wollen, daß sie sagen: Ach, wir kümmern uns nur um dasjenige, was erhaben ist über die Fragen, die mit dem materiellen Leben zusammenhängen. - Solche Menschen glauben dann auch - und in gewisser Beziehung mögen sie recht haben -, daß es im Grunde genommen für die Entwickelung im Idealen und Spirituellen gleichgültig sei, wie der Mensch seine Bedürfnisse in bezug auf das Leibliche befriedigt. Anders urteilt die materialistische Denkweise. Ein großer Philosoph des neunzehnten Jahrhunderts hat einen Ausspruch getan, der viel wiederholt worden ist und der bei vielen Menschen, die geistig idealistisch gesinnt sind, Schauer und Entsetzen hervorruft, den Ausspruch, den Feuerbach getan hat: «Der Mensch ist, was er ißt.» Die meisten Menschen fassen das so auf — und der materialistische Sinn wird durchaus damit einverstanden sein -, der Mensch sei eine Zusammenfassung der Materien, die er seinem Leibe zuführt, und dadurch entstehe nicht nur das Wechselspiel seines organischen Lebens, sondern auch dasjenige, was in seinem Geiste sich darbietet.

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Cite: GA 57/1908-12-17/p003 · edition original