Gesundheitsfragen im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 57/1909-01-14/p009 ·1909-01-14 · original (original)
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Unter denjenigen, die wieder mehr auf dem Arzneistandpunkte stehen, gibt es zwei Parteien: die Allopathen, die ein spezifisches Heilmittel gegen gewisse Krankheiten anführen und gebrauchen, sozusagen ein Heilmittel, welches die Aufgabe hat, diese Krankheit zu beseitigen. Sie gehen also von der Anschauung aus, die Krankheit sei eine Störung im Organismus, und diese Störung müsse durch ein Mittel beseitigt werden. Dagegen wenden die Homöopathen ein, das sei durchaus nicht das eigentliche Wesen der Krankheit, sondern das eigentliche Wesen der Krankheit sei eine Art Reaktion des ganzen Organismus gegen eine Schädigung in demselben. Es sei eine Schädigung aufgetreten im Organismus, und nun wehre sich der ganze Organismus gegen diese Schädigung. Man müsse an den Symptomen, die beim kranken Menschen auftreten, erkennen und darauf Rücksicht nehmen, daß dasjenige, was Fieber und so weiter erzeugt, eine Art Aufruf sei an die Kräfte im Organismus, die den eingeschlichenen Feind vertreiben können. — Daher werden sich die Anhänger dieser Art Heilweise sagen, man müsse gerade zu denjenigen Mitteln in der Natur greifen, welche, wenn der gesunde Organismus sie zu sich nimmt, die betreffende Krankheit hervorrufen. Man dürfe natürlich dann diese Mittel, die im gesunden Organismus bestimmte Krankheitserscheinungen hervorrufen, dem kranken Organismus nicht in großer Dosis verabreichen, sondern gerade nur soviel, daß das betreffendeMittel eben hinreicht, um eine Reaktion des Organismus gegen die eingetretene Schädigung hervorzurufen. Das ist das Prinzip der Homöopathie: Dasjenige, was im gesunden Organismus eine bestimmte Krankheit hervorrufen kann, das schließt auch die Möglichkeit in sich, den kranken Organismus wieder zur Gesundheit zu führen. Es wird das Mittel angewendet, was der Organismus durch die Krankheitserscheinungen selber zeigt. Man denkt sich das so, daß der Organismus im kranken Zustande durch die Symptome zeigt, daß er sich bemüht, die Krankheit zu überwinden. Deshalb müssen wir ihn mit eben diesem Mittel unterstützen.

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Cite: GA 57/1909-01-14/p009 · edition original