{"corpus":"steiner","locus":"GA 57/1909-01-14/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man sieht, wenn man nur ein wenig einen durch die Geisteswissenschaft geschärften Blick hat, wie diese überschüssige Tätigkeitskraft sich überstürzend den ganzen Menschen eingenommen hat, sich auf sein Blut und sein Nervensystem wirft. Man sieht, wie es in dem Organismus so ausgesehen hat, wie bei einem Hausbau, in den man ungeeignetes Material hineingeworfen hat, so daß man sich bemühen muß, das ungeeignete Material zu ordnen und zu arrangieren. Nicht ungestraft leitet man die Kräfte für die Verarbeitung der Nahrungsstoffe nach dem Inneren. Wenn wir uns das klarmachen, dann werden wir tolerant werden und uns nicht gegen die Natur stellen. Dann dürfen wir auch nicht in der entgegengesetzten Richtung wieder zum Schablonisieren kommen und Fanatiker werden des Vegetarismus für einen Jeden Menschen. Gerade so, wie sich bei dem Manne, den ich jetzt als radikales Beispiel angeführt habe, die nach innen abgelenkte Tätigkeitskraft überstürzte, so kann es auf der anderen Seite sein, daß es Menschen gibt, welche über diese Kraft gar nicht verfügen, die sozusagen den Pflanzenprozeß unmittelbar da,wo er aufgehört hat, nicht fortsetzen können. Solche Menschen würden, wenn man ihnen zumutet, ohne weiteres Vegetarier zu werden, erleben, daß sie die Kräfte, welche sie da brauchen, notdürftig aus dem eigenen Organismus nehmen müßten. Sie würden diesen dadurch in gewisser Weise verzehren und in gewisser Weise zum Verhungern bringen. Das kann also durchaus auf der anderen Seite vorliegen. Worum es sich handelt, ist, daß wir den Blick abwenden von diesen oder jenen Dogmen, wenn wir von gesunden und kranken Verhältnissen reden, abwenden davon, nur dieses oder nur jenes zu essen. Das, worauf es ankommt, ist der einzelne Mensch und die Notwendigkeit, seine Bedürfnisse kennenzulernen. Es kommt vor allem darauf an, daß dieser einzelne Mensch die Möglichkeit hat, in gewisser Beziehung seine Bedürfnisse selber zu fühlen und zu erkennen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Gesundheitsfragen im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1909-01-14","location":null,"word_count":295,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/57/1909-01-14/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/57/1909-01-14/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/57/1909-01-14/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}