Gesundheitsfragen im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 57/1909-01-14/p018 ·1909-01-14 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wenn eine materialistische Anschauung gar zu sehr auf das bloß Stoffliche sieht, so wäre es doch für diese materialistische Anschauung notwendig, nach dieser Richtung hin sich zu bewegen, die eben jetzt angedeutet worden ist. Gerade für sie wäre es eigentlich unmöglich, zu schablonisieren und zu vereinheitlichen. Und wie schablonisiert man in unserer heutigen Zeit! Da wird zum Beispiel ohne weiteres gesagt, dieses oder jenes Nahrungsmittel oder diese oder jene Arznei sei schädlich. Es ist eine förmliche Epidemie des Schablonisierens ausgebrochen, und dies ist ja auch nicht anders möglich, wenn nicht jede Einseitigkeit ausgeschlossen wird bei der Bekämpfung der verschiedenen Heilweisen. Eine Epidemie ist ausgebrochen unter dem Stichwort «Kraft», so daß zum Beispiel bei Versammlungen Naturheilkundiger gesagt wird, dies oder jenes sei «Kraft». Damit glaubt man, genug getan zu haben, um diese oder jene anzuschwärzen und zu sagen, daß sie nur ausgingen vom Materiellen. Diejenigen, die in erster Linie für sich in Anspruch nehmen, den Menschen als Individualität zu betrachten, sollten darauf auch Rücksicht nehmen. Aber auch, wenn man zum Beispiel die anderen Lebewesen überblickt, verliert das Wort «Kraft» im Grunde genommen jeden Sinn. Unsere Anschauungen in bezug auf solche Dinge müssen modifiziert werden. Wer würde nicht daran denken, für den Menschen eine besondere Kraft anzunehmen, wenn er hört, daß zum Beispiel Kaninchen ohne Schaden den Schierling fressen, während Sokrates daran starb. Auch die Ziege kann den Schierling ohne Schaden fressen, ebenfalls Aconit, Eisenhut, auch Pferde. Bei all diesen Dingen müssen wir also in der Regel uns immer den individuellen Organismus vorhalten. Wenn wir uns den individuellen Organismus vorhalten, dann kommen wir dazu, uns zu sagen: Im einzelnen Falle ist etwas vielleicht richtig für einen Menschen, aber «Eines schickt sich nicht für alle»!

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/57/1909-01-14/p018.json
Cite: GA 57/1909-01-14/p018 · edition original