Die unsichtbaren Glieder der Menschennatur und das praktische Leben

GA 57/1909-02-18/p018 ·1909-02-18 · original (original)
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Geisteswissenschaft ist keine Theorie, nichts Dogmatisches, sondern etwas, das dem Leben Lebendiges mitteilt. Man wird einst einsehen, daß nur durch Geisteswissenschaft der Mensch ein wahrer Lebenspraktiker werden kann. Nur der ist ein Lebenspraktiker, der dieses Leben handhaben kann, der nicht sein Sklave ist. Der Mensch soll durch seine unsichtbaren Glieder immer Herr bleiben seiner äußeren Natur. Nur dadurch wird der Mensch Praktiker bis ins letzte Glied seines Lebens hinein, daß er immer Führer ist des Leiblichen. Derjenige Mensch ist ein Lebenspraktiker, der also aus einem wahren Verständnis seiner Glieder heraus verstehen kann, was Fichte gesagt hat, was aber so oft falsch verstanden wird. Das wird des Menschen Ideal sein, wenn er von seinem Unsichtbaren wieder das Sichtbare lenken wird: «Der Mensch kann, was er soll; und wenn er sagt: Ich kann nicht, so will er nicht.»

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