Isis und Madonna

GA 57/1909-04-29/p009 ·1909-04-29 · original (original)
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Wenn wir den Menschen zurückverfolgen in der Zeitenwende, dann werden wir finden, daß, je mehr wir zurückkommen zu unvollkommeneren sinnlichen Gestalten, wir auf den geistig-seelischen Ursprung des Menschen treffen. Öfter haben wir uns schon zurück versetzt in eine Zeit der Menschheitsentwickelung, wo dasjenige, was wir heute Mensch nennen, überhaupt noch kein physisches Dasein hatte, noch ganz in seelisch-geistigem Dasein geborgen war. Wiederholt durfte aufmerksam gemacht werden darauf, daß wir uns im Sinne der Geisteswissenschaft die sinnliche Gestalt, die physische Leiblichkeit des Menschen denken wie eine Verdichtung eines einstmals nur geistig-seelischen Menschen, Jener geistig-seelische Mensch ist sozusagen verdichtet zu dem gegenwärtigen Menschen, wie das Wasser zu Eis sich verfestigt. Auch dieses Bild ist öfter gebraucht worden. Es ist da gesagt worden: Stellen wir uns eine Masse Wasser vor; diese verdichtet sich zu Eis, so daß wir zuletzt einen gewissen Rest der Wassermasse haben und den zu Eis umgewandelten Teil derselben; dann haben wir das Bild der Entstehung des Menschen. Bei dem einstmals geistig-seelischen Menschen war noch nichts von dem Physisch-Sinnlichen der Leiblichkeit vorhanden, was heute Augen sehen und Hände greifen können. Nach und nach wird er immer physischer bis zu seiner heutigen physischen Gestaltung. Diejenige Zeit freilich, in welche die äußere Wissenschaft zurückblicken kann, zeigt den Menschen in jener physischen Gestalt, in der wir ihn heute sehen. Aber die Geisteswissenschaft sieht zurück in urferne Vergangenheit, wo der Mensch aus der geistigen Welt herausgeboren wurde und noch geistig-seelischer Art war. Wenn wir heute auf seine Seele blicken, so sagen wir uns, das Seelische im Menschen ist sozusagen der letzte Rest desjenigen Geistig-Seelischen, das einstmals war. Wir blicken hin auf des Menschen Inneres, lernen des Menschen geistig-seelische Wesenheit kennen und sagen uns: wie er im Innern ist, so war er einstmals, als er aus dem Schoße der geistigen Welt herausgeboren wurde. Dieses Seelenwesen ist eingehüllt in das Niedrige der Sinnenwelt von außen, aber es kann sich wieder reinigen und läutern, kann sich erheben zu einem sinnlichkeitsfreien Anschauen und dadurch zu der Geistigkeit gelangen, aus der es selbst herausgeboren ist. Dies ist der Prozeß der geistigen Erkenntnis, die durch Läuterung und Reinigung geht. So erblicken wir im Geiste des Menschen Seelenwesen, und indem wir nicht bloß bildlich, sondern wirklich sprechen, sagen wir: Wenn wir dieses Seelenwesen in seiner Wahrheit erkennen, so sehen wir, daß es nicht von dieser Welt ist. Wir sehen im Hintergrunde dieses Seelenwesens eine göttlich-geistige Welt, aus der es herausgeboren ist.

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Cite: GA 57/1909-04-29/p009 · edition original