Die europäischen Mysterien und ihre Eingeweihten
Freilich, das, was das große Bedeutsame hier ist und was sich hier entwickelt, das Persönlichkeitsbewußtsein, bildet auch eine Gefahr. Es ist hier eine viel größere Gefahr als in anderen Gebieten. Das Persönlichkeitsbewußtsein bildet einen Grundton aller Kultur in Europa. Mehr als im Osten, wo der Mensch sich gerne hingab an Brahman, war in germanischen Landen das Persönlichkeitsbewußtsein vorhanden. Dadurch war die Gefahr naheliegend, daß die, welche eingeweiht wurden, sehr schnell da oder dort das, was ihnen geboten wurde in der Einweihung, mißverstehen, mißbrauchen konnten, daß sie es in Zerrbildern und Karikaturen darstellten. Einweihung führt auch zur Handhabung der geistigen Kräfte. Wer sie gebrauchen lernt, der lernt leicht sie zu mißbrauchen. Daher kam es, daß die Mysterien des alten Europa leicht verfielen, daß die Eingeweihten sich nicht reif erwiesen und Veranlassung von vielfachen Greueln wurden, daß sie der Abscheu des Volkes in vielen Gegenden wurden. Mancherlei, was heute erzählt wird von den Mysterien, bezieht sich auf den Verfall der Mysterien, wenn auch nicht alles. Daß das Mysterienwesen vielfach mißverstanden werden kann, braucht ja den heutigen Menschen gar nicht so sehr in Erstaunen zu setzen. Denn wenn jemand nicht durch die Geisteswissenschaft erfahren kann, was in den Mysterien getrieben wurde, sondern wenn er nur auffangen kann das, was später niedergeschrieben wurde, das weltgeschichtliche Geklatsch und Getratsch, so kann er zu den wüstesten Anschauungen über Mysterienwesen kommen im Verlaufe der Zeiten. Denken Sie nur einmal, wie jemand daran ist, wenn er sich heute unterrichten will über das, was Anthroposophie und anthroposophische Bewegung ist, durch das, was draußen mitgeteilt wird: er würde ein schönes Bild bekommen! Und wenn man das heute darüber Gesagte aufbewahrte, so könnte noch etwas viel Schlimmeres herauskommen als das über die Mysterien Bekannte.