Das Wesen des Gebetes

GA 59/1910-02-17/p014 ·1910-02-17 · original (original)
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Da brauchen wir nur daran zu denken, daß gerade jene Gefühle und Empfindungen, die wir schon nennen konnten, fressen an unserem Seelenleben: Angst und Furcht vor dem Unbekannten der Zukunft. Gibt es aber etwas, was in die Seele sich ergießen kann als Kraft der Sicherheit gegenüber dem Zukünftigen? - Ja, das gibt es. Richtig wird es aber in der Seele nur wirken, wenn es als Gebetsstimmung auftritt. Und das ist das, was man nennen kann das Ergebenheitsgefühl gegenüber dem, was aus dem dunklen Schoß der Zukunft in unsere Seele eintritt. Mißverstehen wir uns auf diesem Gebiete nicht. Es wird hier nicht etwa dem ein Loblied gesprochen, was man von da und dorther als Ergebenheit bezeichnen kann, sondern es wird eine ganz bestimmte Art von Ergebenheit charakterisiert: Ergebenheit gegenüber dem, was uns die Zukunft bringen kann. Wer ängstlich und furchtsam hinblickt auf das, was ihm die Zukunft bringen kann, der hindert seine Entwickelung, hemmt die freie Entfaltung seiner Seelenkräfte. Nichts ist eigentlich dieser freien Entfaltung der Seelenkräfte so hinderlich als die Furcht und Angst vor dem Unbekannten, das aus dem Strome der Zukunft in die Seele hereintritt. Was die Ergebenheit gegenüber der Zukunft bringen kann, darüber kann eigentlich nur die Erfahrung urteilen. Was ist Ergebenheit gegenüber den Zukunttsereignissen?

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Cite: GA 59/1910-02-17/p014 · edition original