Das Wesen des Gebetes

GA 59/1910-02-17/p031 ·1910-02-17 · original (original)
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In meiner kleinen Schrift «Das Vaterunser» finden Sie eine Darstellung des Inhaltes, aus dem sich zeigt, daß allerdings in die «sieben Bitten» eingeschlossen ist alle Weisheit der Welt. Mögen Sie immerhin denken: In diesem Büchlein wird von dem Vaterunser gesagt, daß nur derjenige die «sieben Bitten» dieses Gebetes verstehen kann, der die tieferen Quellen des Weltalls kennt; der naive Mensch aber, der das Vaterunser betet, kann doch nicht diese Tiefen ergründen! Das ist aber auch nicht notwendig. Damit das Vaterunser hat zustande kommen können, war notwendig, daß aus einer umfassenden Weisheit der Welt in Worte geprägt worden ist, was man «tiefste Welten- und Menschheitsgeheimnisse» nennen kann. Weil dies aber nun im Vaterunser enthalten ist, deshalb wirkt es in den Worten des Vaterunsers, auch wenn man noch lange nicht die Tiefen dieses Gebetes versteht. Das ist aber gerade das Geheimnis eines wahren Gebetes, daß es hervorgeholt sein muß aus der Weltenweisheit. Und weil es daraus hervorgeholt ist, deshalb wirkt es, trotzdem wir es noch nicht verstehen. Wir können es verstehen, wenn wir zu den höheren Stufen hinaufsteigen, zu denen Gebet und Mystik vorbereiten. Das Gebet bereitet uns für die Mystik, die Mystik für die Meditation, Konzentration vor, und von da werden wir hingewiesen zu dem eigentlichen Arbeiten für die Geistesforschung.

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Cite: GA 59/1910-02-17/p031 · edition original