Das Wesen des Gebetes

GA 59/1910-02-17/p033 ·1910-02-17 · original (original)
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Wenn die Seele wirklich sich entwickeln soll unter dem Einfluß eines solchen in ihr Lebenden, so kann immer wieder darauf hingewiesen werden, wie an einem wahren Gebet ein jeder Mensch, auf welcher Stufe der Entwickelung und der Erziehung er auch steht, etwas haben kann. Der Naivste, der vielleicht nichts weiter weiß als das Gebet selber, kann das Gebet auf die Seele wirken lassen. Das Gebet selber wird es sein, das Wirkungskräfte hervorrufen kann, welche ihn immer höher und höher bringen. Aber man ist nie fertig mit einem Gebet, wie hoch man auch steht; denn es kann immer noch die Seele um eine Stufe höher bringen, als sie schon ist. Und das Vaterunser ist ein Gebet, das nicht nur gebetet werden kann, sondern das auch mystische Stimmung hervorrufen kann, und das auch der Gegenstand sein kann der höheren Meditation und Konzentration. Das könnte noch von manchen Gebeten gesagt werden. Aber allerdings ist aus dem Mittelalter etwas heraufgezogen, was das Gebet und die Gebetsstimmung heute etwas unrein machen kann, und was man nur mit dem Worte «Egoismus» bezeichnen kann.

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