Krankheit und Heilung
So wirken in dem normalen Gang der Menschheitsentwickelung zwei Ströme zusammen: ein innerer und ein äußerer. Diese beiden Strömungen zeigen sich uns nebeneinanderstehend im physischen Leib und Ätherleib auf der einen Seite und im astralischen Leib und Ich auf der andern Seite. -— Was kann der Mensch nun tun zwischen Geburt und Tod in bezug auf physischen Leib und Ätherleib? Nicht nur wird der astralische Leib abgenutzt durch das Seelenleben, sondern es werden auch die Organe des physischen Leibes und des Ätherleibes abgenutzt. Da zeigt sich nun folgendes: Während der astralische Leib in der Nacht in einer geistigen Welt ist, arbeitet er auch zugleich am physischen Leib und am Ätherleib, um sie in jenen Zustand wieder zu bringen, in dem sie normalerweise sind. Nur im nachtschlafenden Zustand kann wieder hergestellt werden im physischen Leib und Ätherleib, was während des Tages zerstört worden ist. So sehen wir, wie allerdings auch an dem physischen Leib und an dem Ätherleib aus der geistigen Welt heraus geschaffen wird. Aber es ist eine Grenze vorhanden: die Anlage und Konfiguration des physischen Leibes und des Ätherleibes sind mit der Geburt gegeben und bleiben innerhalb enger Grenzen dieselben. Wir sehen da gleichsam in der Weltentwickelung zusammenarbeiten zwei Strömungen, welche wir nicht ohne weiteres in abstrakter Weise in Harmonie bringen können. Wer versuchen wollte, mit abstrakten Gedanken diese beiden Strömungen zusammenzudenken, wer leichten Herzens eine Philosophie entwickeln wollte und sagen würde: Nun ja, harmonisch muß der Mensch sein; also müssen die zwei Strömungen beim Menschen in einer Harmonie sein — der würde sich gewaltig irren. Das Leben arbeiter nicht nach Abstraktionen; das Leben arbeitet so, daß dasjenige, was wir in unsern Abstraktionen erträumen, erst nach langen Entwickelungen erreicht werden kann. Das Leben arbeitet so, daß es Gleichgewichtszustände, Harmonien erst dadurch hervorbringt, daß durch Disharmonien hindurchgegangen wird. So ist das lebendige Spiel im Menschen, das durch Gedanken auch gar nicht so ohne weiteres in Einklang gebracht werden soll. Es bedeutet immer ein abstraktes, nüchternes Denken, wenn wir Harmonie hineinträumen wollen, wo sich das Leben durch Disharmonien hindurch zu Gleichgewichtslagen entwickelt. Das ist aber überhaupt das Schicksal der menschlichen Entwickelung, daß uns die Harmonie vorschweben muß als Ziel, das wir aber nicht erreichen, wenn wir es in irgendeimen Zustand der menschlichen Entwickelung bloß hineinträumen.