{"corpus":"steiner","locus":"GA 59/1910-03-03/p039","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Als vor wenigen Jahren der berühmte Ausbruch des Mont Pel& in Zentralamerika stattgefunden hatte, fand man nachher in den Trümmern ganz merkwürdige, sehr lehrreiche Dokumente. Auf einem stand: Ihr braucht euch nicht mehr zu fürchten, denn die Gefahren sind alle vorüber; es werden keine weiteren Ausbrüche mehr erfolgen! Das zeigen uns die Gesetze, die wir als Naturgesetze erkannt haben. — Diese Dokumente, auf denen geschrieben war, daß weitere vulkanische Ausbrüche unmöglich wären nach der Naturerkenntnis, waren verschüttet worden — und mit ihnen die Gelehrten, die diese Dokumente verfaßt hatten aus der gewöhnlichen Gelehrtenerkenntnis. Wir sehen hier sich ein tragisches Ereignis vollziehen. Aber gerade daran können wir die Disharmonie des Menschen mit der physischen Welt ganz klar sehen. Niemand kann zweifeln, daß der Verstand derjenigen Gelehrten, die diese Naturgesetze erforscht haben, ausgereicht hätte, die Wahrheit zu finden, wenn er nur gehörig ausgebildet worden wäre. Denn an Verstand hat es ihnen nicht gemangelt. Merkwürdig ist es, daß der Verstand dazu gehört, aber daß er doch allein gar nichts machen kann. Denn die Tiere, die vor solchen Katastrophen stehen, wandern aus! Das ist eine bekannte Tatsache. Nur die Haustiere gehen mit dem Menschen zugrunde. Es genügt also der sogenannte tierische Instinkt, um weit mehr an Weisheit gegenüber solchen kommenden Ereignissen zu entwickeln, als die heutige menschliche Weisheit. Dasjenige, was «Verstand» ist, macht es nicht aus; unser heutiger Verstand ist auch bei denjenigen genügend vorhanden, welche die größten Torheiten begehen. Unser Verstand reichte also wohl aus; aber es reichen nicht aus die Erfahrungen aus den Erlebnissen, weil diese nicht gereift sind. In dem Augenblick, wo der Verstand mit engbegrenzten Erlebnissen etwas festsetzt, was ihm plausibel erscheint, da kann er in diese Disharmonie kommen mit den wirklichen äußeren Erlebnissen, und dann brechen die äußeren Erlebnisse über ihm zusammen. Denn es besteht ein Verhältnis zwischen dem physischen Leib und der Welt, das der Mensch nach und nach erkennen und überschauen wird mit den Kräften, die er heute schon hat; aber erst dann wird er es können, wenn er sich Erlebnis über Erlebnis aus der äußeren Welt gesammelt hat und diese Erlebnisse verarbeitet hat. Dann wird an dem, was er aus diesen Erlebnissen entwickelt hat, um völlige Harmonie herzustellen, auch kein anderer Verstand mitgearbeitet haben als der heutige; denn der Verstand ist gerade heute auf einer gewissen Höhe angelangt. Was fehlt, ist die Ausreifung der Erfahrungen und Erlebnisse. Wenn diese Ausreifung der Erlebnisse nicht dem Äußeren entspricht, dann kommt der Mensch in Disharmonie mit der Außenwelt und kann an den Ereignissen der Außenwelt zerbrechen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Krankheit und Heilung","site_heading":null,"date":"1910-03-03","location":null,"word_count":417,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/59/1910-03-03/p039","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/59/1910-03-03/p039"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/59/1910-03-03/p039","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}