Der positive und der negative Mensch
Nun haben uns die letzten Vorträge gezeigt, daß die Seele in ihrer Entwickelung noch weiter gehen kann. Schon im gewöhnlichen Leben muß ja die Seele weiter gehen, wenn der Mensch im wahren Sinne des Wortes ein Mensch werden will. Ein Mensch, der zu Antrieben seines Handelns nur erhalten könnte, was die äußeren Forderungen des Lebens ihm stellen, der nur das zu Impulsen seines Handelns hätte, wozu er getrieben wird durch Sympathie und Antipathie, der würde nicht das Bestreben haben, die reine Menschennatur in sich zur Darstellung zu bringen. Erst wer sich erhebt über die gewöhnlichen Forderungen, die ihm Sympathie und Antipathie einimpfen, zu sittlichen Idealen und Ideen, erst der sucht die reine Menschennatur darzustellen. Sittliche Ideen, ethische Vorstellungen müssen aufsteigen in der Menschennatur aus dem, was wir die geistige Welt nennen; denn durch unsere sittlichen Forderungen und ethischen Begriffe bereichern wir das Seelenleben mit neuen Elementen. Denn nur dadurch hat der Mensch eine «Geschichte», daß er in das Leben etwas hineintragen kann, was sein Inneres aus unbekannten dunklen Tiefen herauszieht und dem äußeren Leben einprägt. Ebenso würden wir niemals zu einem wirklichen Wissen über die Weltengeheimnisse kommen, wenn wir nicht die äußeren Erlebnisse gleichsam auffädeln könnten an den Ideen, die wir nicht in der äußeren Welt sehen können, sondern die wir aus unserem Geiste der Außenwelt entgegenbringen, und wodurch wir erst die äußere Welt in der wahren Gestalt erklären und begreifen können. Dadurch bringt der Mensch schon ein geistiges Element in sein Inneres hinein, bereichert die Seele mit jenen Elementen, die sie niemals aus dem bloßen äußeren Leben gewinnen könnte.