Wie erlangt Man Erkenntnis der Geistigen Welt?
Da kann folgendes in Betracht kommen. Wenn wir unser Augenmerk auf das richten, was Sie in der Philosophie in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt finden, auf das geistige Zentrum des Menschen, das Ich — wenn wir gelernt haben, uns zur Ich-Vorstellung aufzuschwingen —, das alle unsere Vorstellungen begleitet, das geheimnisvolle Zentrum alles Erlebens; und wenn wir immer weiter treiben jenen Respekt, jene Achtung und Hingabe, die sich verknüpfen kann mit der Tatsache — für viele allerdings keine Tatsache, sondern eine Chimäre —: Da innen lebt ein Ich! — wenn das zum größten, zum einschlagendsten Ereignis werden kann, sich immer wieder zu sagen, daß dieses «Ich bin» das Wesentlichste der Seele des Menschen ist, dann entwickeln sich an dem «Ich bin» gewaltige, starke Gefühle, die unpersönlich sind und gerade darauf hingehen, zu erkennen, wie gleichsam in einen Punkt — in den Ich-Punkt - zusammengedrängt ist alles, was uns an Weltgeheimnissen und Mysterien umschwebt, um vom Ich-Punkt aus den Menschen zu erfassen. Über dieses Bewußtwerden des Ich erzählt zum Beispiel der Dichter Jean Paulin seiner Lebensbeschreibung: «Nie vergeß ich die noch keinem Menschen erzählte Erscheinung in mir, wo ich bei der Geburt meines Selbstbewußtseins stand, von der ich Ort und Zeit anzugeben weiß. An einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der Haustür und sah links nach der Holzlege, als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel vor mich fuhr und seitdem leuchtend stehenblieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig. Täuschungen des Erinnerns sind hier schwerlich gedenkbar, da kein fremdes Erzählen sich in eine bloß im verhangnen Allerheiligsten des Menschen vorgefallne Begebenheit, deren Neuheit allein so alltäglichen Nebenumständen das Bleiben gegeben, mit Zusätzen mengen konnte.»